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Donnerstag, 4. September 2008

Juwelen schaffen Arbeitsplätze

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Heute war für mich Fotoproduktion angesagt, das sieht dann etwa so aus:

9.30 Uhr abgehetzt – weil spät dran und per Pedes durch das halbe 9. Arrondissement gerannt – im Büro ankommen, 9.35 Uhr Anruf von der Chefin, die grade im Taxi unterwegs zum Büro ist: "Wo bist Du? Die Sachen müssen sofort ins Studio!". 9.40 Uhr einen Koffer, zwei Kisten, eine Tüte und das eigene Gepäck vom 2. Stock ins Taxi geschafft, ca. 10.00 Uhr Ankunft im Studio, 10.05 Uhr Koffer, Kisten und Co. müssen in die erste Etage – der Aufzug bockt! 10.30 Uhr Koffer und Kisten auspacken, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – sprich die ausgewählten Schuhe, Kleider, Mäntel und Strümpfe wandern auf Bügel und Kleiderstangen, der traurige Rest muss zurück in die Kisten. Im Studio herrscht großer Andrang – und zu wenig Platz. Weil die Kleider diesmal nur eine Nebenrolle spielen und unbezahlbare Juwelen im Mittelpunkt stehen, muss für jedes der teuren Stücke ein von der jeweiligen Firma gestellter Betreuer da sein. Die Versicherungen wollen das so.
(Hallo! Das hätte ich gerne mal an der Universität erlebt! Da kam gefühlt ein Betreuer auf 100 Studenten. Muss wohl am Wert liegen ...)

Wir fotografieren etwa 10 Looks, geschätz drei Mal so viele Stücke lagern in dem kleinen Studio im 5. Arrondissement, auf zwei Stücke kommt in etwa ein Juwelier, sprich ein Betreuer – jetzt bitte rechnen! So viele freiwillige Zuschauer hatte ich noch nie! Der Fotograf richtet seine Blitzanlage ein, also muss das Licht aus. Prima, im Dunkeln lassen sich Outfits in gedeckten Farben ja besonders gut zusammenstellen. Also die vorsortierten Teile raus ins Foyer, das endgültige Styling dann wieder zurück ins Studio. Kaum fertig, kommt der Kurier mit einer Eilsendung von Chanel. Also nochmal ins Foyer, aber nein, ist nichts für uns dabei, also wieder einpacken. 

Dann das Shooting. Kleider an, Kleider aus, Chanel hat zwei rechte Schuhe geschickt, statt dessen also Pumps von Versace, das Diamantencollier von Harry Winston ist zu lang, also wird mit Sicherheitsnadeln getrickst. Die Kette von Bulgari ist zu kurz, ein Bindfaden hilft. Am Chloé-Mantel ist ein Knopf ab – Nähen ist nicht, das Teil ist abgebrochen, also muss Superkleber her. Später fällt der Mantel dann doch aus dem Shooting, ein Bolero wird Ersatz. Das Derek Lam-Kleid kriegen wir selbst zu dritt nicht zu. Das arme Model ist eh schon so dünn und dann das. Also wieder die Sicherheitsnadeln, wir wollen das Kleid unbedingt, fotografiert wird dann eben nur von der anderen Seite. Sieht dann doch wahnsinnig schön aus! Genau wie der Boule-Rock aus Fell von Giambattista Valli, der am Bügel eher an King-Kong erinnerte. Tesa-Tape wird zum Kleiderroller, nehmen wir lieber blickdichte Strümpfe oder doch die halterlosen Spitzen? Die wartenden Sicherheitsmenschen tun mir leid. Sie dürfen den Schmuckstücken nicht von der Seite weichen. Manche sind zu zweit oder zu dritt da. Cartier hat ein hübsches junges Mädchen geschickt, wie soll die im Ernstfall das Collier verteidigen?? Aha, die zwei älteren Herren bewachen das Mädchen, das die Juwelen bewacht. Sicher ist sicher ... Als es Sushi gibt, vergessen einige der Bewacher spontan aufs Bewachen und verschwinden kurz mal ans Buffett. Bon Appetit! 

Das Model muss wieder raus aus dem zu engen Paillettenkleid und rein in eine Korsage aus schwarzem Tüll. Sieht toll aus, die Arme. Ob sie mit ihrem i-Phone schnell ein Foto von der Federkappe machen darf? Für ihren boyfriend in New York, damit er sie mal mit schwarzen Federn auf dem Kopf sieht. Na klar, und eine Cola kriegt sie auch. Keine Diät-Cola. Sie lässt ja sonst alles über sich ergehen. Haare hoch, Haare runter, der Pferdeschwanz wird mit Nähseide gebunden, das hält besser, ist aber bestimmt nicht gesund für ihre blondierten Haare. Jetzt noch die Ohren mit Make-up ans Gesicht angleichen. Das stoische Gesicht legt sie, ganz der Profi, beim Shooting wieder ab, raus kommt ein Vamp mit Schmolllippen. Ob es ihr in Paris gefällt? Ja, mittlerweile schon, sie kommt ja schon seit ein paar Jahren zum Arbeiten her. 

Noch ein Foto mit Ring, nein, lieber doch ohne, das wirkt besser. Der Fotograf ist mit voller Leidenschaft dabei, seine Assistenten machen den Raum noch voller. "This is the last one, I promise!" Jaja, das haben wir heute doch schon mal gehört? Aber vielleicht doch noch EINE Einstellung, diesmal muss sich das Model mit nacktem Oberkörper auf einen Spiegel legen. Eine gefühlte Stunde lang. Ob das Nackenschmerzen gibt? Davon ist auf dem Bild nichts zu sehen, da strahlt eine Schönheit in Schwarz-Weiß, die Kratzspuren von den eng anliegenden Edelsteinen werden überschminkt.

Mit jedem abfotografierten Stück leert sich das Studio ein bisschen, der Mann von Chanel muss ganz bis zum Ende durchhalten. We saved the best for last! Ihm ist das egal, er denkt an Feierabend, ich daran, welche Metro ich am besten nachhause nehme. Hat Spaß gemacht. Und toll ist sie geworden, die Produktion. Demnächst in einem schicken Hochglanzmagazin zu bewundern!

Müde Füße Müde Füße nach einem langen Tag /images/emoticons/mozilla_wink.gif

Xoxo et bises!

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Geschrieben von karin um 21:45 Uhr in Mode

 

Kommentar: lila am Tue, 9 Sep 09:46 Uhr

schöner bericht! =)

Kommentar: karin am Tue, 9 Sep 21:08 Uhr

:) merci!

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