Freitag, 21. Dezember 2007
Es lebe das Vorurteil!
« Fiona Bennett auf Arte | Hauptseite | Designer-Weihnachtsbäume für den guten Zweck »Näh- und handarbeitstechnisch heißt das beispielsweise bei mir:
| Ja - unbedingt! | Nein - mag ich nicht |
| Ich hefte gern, damit ich das erwählte Wunschmodell vorab gut anprobieren und eventuell vorhandene figurbedingte Änderungen abschätzen kann. | |
| Ich nähe bei transparenten Stoffen gern französische Nähte. | |
| Nicht wirklich reizt mich das Nähen von Dessous, aber Hemdchen und Nachtwäsche wiederum ... Ja, da ist das Interesse dann doch da. | |
| Ich stricke gern mit klappernden Nadeln | |
| Nicht egal ist mir die Form meines Nahttrenners. Ich brauche den mit dem flachen Griff. |
Ich glaube, so kann jeder seine eigene Tabelle erstellen. Ja, aber
– wenn es kein ABER gäbe, wäre diese Kolumnenüberschrift ohne Inhalt – manchmal wandert eine Einschätzung von der einen in die andere Spalte.
So wie bei diesem Beispiel. Vor einiger Zeit war ich zur Neuheitenpräsentation bei einer Firma. Vorgestellt wurde unter anderem auch eine Strickmühle, mit der "Man(n)", Frau und auch Kind ziemlich schnell und unkompliziert in Runden und Reihen stricken kann. Eigentlich ... strickt man nicht, man kurbelt. Das ist nun kein gängiger Begriff für eine Handarbeitstechnik. Ich gebe zu, das Gerät bei der ersten Inaugenscheinnahme belustigt angesehen zu haben. „Nett”, sagt man in einem solchen Fall meist höflich
und ich dachte „Das ist doch kein richtiges Stricken”!
Drehen, drehen, drehen und nochmal ... hmm. Es geht rasant schnell, aber außer dass man aufpassen muss, dass der Faden gut abgezogen wird und man weiterdreht, muss man nicht wirklich viel dabei tun. Das kann ermüden. So weit meine Theorie. In den letzten Tagen habe ich Schals gemacht. Einige – und jeden anders bunt. Zum Thema Fußball-EM 2008 und die vertretenen Länder durfte ich mir etwas einfallen lassen. Bei jedem begonnenen Schal kam eine neue Idee. Ach, was war ich froh, dass es schnell ging, bis ich mich ans nächste Teil machen konnte. Meine Ideen musste ich nicht lange "konservieren". Irgendwann am späten Abend stand ich dann drehend am Tisch und begann über mich zu lachen. Die Begeisterung, die mich erfasst hatte, schnell die Ideen umsetzen zu können, hätte ich kaum erwartet. Wie war mein erster Eindruck????! Dabei sind mir dann auch andere Gelegenheiten eingefallen, bei denen nicht nur ich unbewusst ein Schild in die Höhe halte, auf dem steht: ES LEBE DAS VORURTEIL!
Auch im Bereich Nähen sind sie zahlreich vertreten. „Kinder im Teeniealter ziehen nichts Selbstgenähtes mehr an”, ist eines davon! „Nähen ist altbacken” gehört dazu oder „Die Zutaten sind ja soooo teuer, es lohnt sich nicht!” Meine jüngsten Kinder sind 10 und 12 Jahre alt und wir haben uns öfter über das "Schild" unterhalten. "Klamotte bekommt ihre Chance"! Sie ziehen an, was ich ihnen nähe. Dabei höre ich auf ihre Wünsche und dann ist ein Tag Schule angesagt, zum Vorurteilüberprüfen. Wird die Hose, das Hemd oder was auch immer als "uncool" gewertet, dann muss er es nicht mehr in die Schule anziehen. Es passiert ganz selten
und dann werden diese wenigen Sachen in die Freizeitgarderobe verlagert. Die Hosen sind nämlich "gemütlich" - sagt er, auch wenn sie derzeit an seiner Schule nicht "angesagt" sind. Sie passen und halten gut, denn ich hatte mir Zeit genommen und auf Verarbeitungsqualität geachtet. Vorurteile sollte man hin und wieder hinterfragen oder sich einfach auf das, was man meint, nicht zu wollen, probehalber einlassen. Ich war überrascht und belustigt, meine Argumente im Gespräch mit den Kindern dann im Spiegelbild zu sehen
. Auch "älter" lernt man immer wieder was Neues – sogar bei sich selbst
.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Nähen, stricken oder gestalten Sie was Schönes
und überdenken Sie mal die eigene Liste der Ablehnungen auf diesem – unserem – Gebiet. Als kleiner Tipp: Es gibt ab Januar einige schöne Kindermodelle bis Gr. 176. Geben Sie den Schnitten, der Strickmühle und den Kinderklamotten eine Chance?
Viele Grüße,
Anne Liebler
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Wie immer nimmst Du meine Gedanken vorweg. Ich habe gestern meinem Sohn die allererste Hose genäht. Nicht weil er sie nicht anziehen würde, er ist erst 8, da zieht man an was Mama hinlegt. Nein, ich fand es langweilig. Jungenhosen. Aber bei der Suche nach Schnitten und Vorlagen fand ich... so gut wie nichts. Ja, sind denn Jungens- wie die Männer ja auch- von der Mode großräumig umgangen worden? da wurde mein Ehrgeiz geweckt. Diese erste Hose ist nur ein Test, und weitere werden folgen. Vorurteil ade.
Diese Strickmühle fand ich auch immer totaaaaal unkreativ. Aber wie ich Dich an dem Teil kurbeln sah, mit dieser Begeisterung.... so muss das sein wenn mir oft Leute sagen ich hätte was ansteckendes. Wenn man an etwas wahres Interesse entwickelt, springt der Funke über. Und bei der "Mühle" hab ich Feuer gefangen, und natürlich jeden Tag in den Burda-Adventskalender geschaut. Und heute war sie drin!
*Daumen drücken*
Bärbel




Ja, die Vorurteile höre ich oft von anderen. Das hat mich bisher aber nicht gestört. Meine Tochter hat jetzt mit 18 erst das Nähen gelernt (Die beiden Teile sind in meinem Blog zu sehen) und wird von vielen um ihre Sachen beneidet.
Und zur Strickmühle...Ich stricke gerne, aber ich habe mehr Ideen als ich umsetzen kann und hoffe deshalb, dass ich sie im Adventskalender gewinne.
Lg
Patricia