
Riesige Kristallleuchter, goldene Löwenstatuen, feinster Stuck und monumentale Ölgemälde von Herrscherfamilien: Prunk und Geschichte - wohin der beeindruckte Blick auch wandert. Das Licht ist gedämpft, und aus den Lautsprechern dringt Richard Wagners düsteres, tiefgründiges Klavierwerk „Ankunft bei den schwarzen Schwänen”. Dann, endlich, schreiten die Mannequins in den Raum und präsentieren - auf höchsten Absätzen und mit eiskalten Augen - Abendrobe, die einerseits modern und tragbar, andererseits von einer derartigen Opulenz ist, dass sich der Zuschauer auf einer Reise ins Zeitalter Napoleons wähnt: Mäntel aus Pfauenfedern, lange Abendkleider aus Satin und Brokat sowie Cocktailkleider mit in voluminöse Falten gelegte Ballonröcke sind zu sehen.

Der Ort, an dem das
Designer-Duo Johnny Talbot und Adrian Runhof seine Mode bei den
Pariser Prêt-à-porter-Schauen zeigte, hätte kaum geschichtsträchtiger sein können: das Pariser
Hôtel de Beauharnais, Sitz der Deutschen Botschaft. Eugène de Beauharnais, der Stiefsohn Napoleons hatte hier einst gelebt, aber auch Otto von Bismarck während seiner Zeit als Botschafter. Und: Richard Wagner, als er in Paris inszenierte und komponierte, unter anderem „Ankunft bei den schwarzen Schwänen.”

„Der Deutsche Botschafter, Peter Ammon, hat uns persönlich angeboten, unser Défilé im Hôtel de Beauharnais zu veranstalten, weil er das Haus neu beleben möchte”, erzählt Adrian Runhof. Der Modeschöpfer und sein Partner nahmen das Angebot überglücklich an (vor ihnen hatten andere Designer vergeblich versucht, die Botschaft als Location für ein Défilé zu gewinnen) und ließen sich beim Entwerfen von der Historie des im Empire-Stil ausgestatteten Gebäudes inspirieren:

„Im 19. Jahrhundert fand hier nach vielen Jahren der Langeweile ein grandioser Ballabend statt, von dem ganz Paris noch Monate danach sprach. Beim Entwerfen haben wir versucht uns vorzustellen, wie die Gäste damals ausgesehen haben”, sagt Runhof, der sich intensiv in die Geschichte des Hauses eingelesen hat. Daneben haben sich Talbot Runhof vom Musical „The Sound of Music”, das im Alpenpanorama spielt, beeinflussen lassen. In der Kollektion spiegelt sich das in Tirolerhüten, Kniebundhosen, Federblumen und Edelweiß-Drucken wider.
Das Gesamtergebnis? „Unsere Herbst-/Winterkollektion ist eine Mischung aus opulenten, spielerisch-strengen und schlichten Kreationen, bei denen wir einfach die Farben und Formen sprechen lassen.” So fällt die Selbstanalyse von Adrian Runhof aus. Bei der Schau in der Deutschen Botschaft konnte er übrigens viele prominente Gäste (unter anderem Sabine Christiansen, Nina Ruge und Gudrun Landgrebe) und ausländische Journalisten begrüßen. Nun hofft er auf den internationalen Durchbruch von Talbot Runhof. Die vergangenen Tage stimmen ihn zuversichtlich: „Das Telefon steht kaum noch still.”
Gregor Haschnik,
burda Korrespondentenbüro Paris Fotos: © Ena Press
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