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Freitag, 12. Oktober 2007

"Gedanken" beim Zugfahren

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Ich fahre gern mit der Bahn. Nicht nur, weil ich dabei arbeiten kann und mich bei Bedarf bewegen, ich keinen Stress habe, was andere Verkehrsteilnehmer tun, keine Baustellen mit endlosen Staus mich unkalkulierbar lange bremsen und ich im Regelfall auch gut, meist pünktlich ankomme. Der Ehrlichkeit halber sei aber zu sagen, dass ich es nicht zu meinen Begabungen zähle, eine gute Autofahrerin zu sein. Ich habe nämlich und das verblüfft viele Mitmenschen keinen Führerschein. Heutzutage... so sagen die Meisten braucht man den doch! Ich nicht /images/emoticons/mozilla_laughing.gif.

Aufgrund meiner zurückliegenden Berichte dürfte es nicht verwunderlich sein, dass gerade die letzten Wochen und Monate Bahnintensiv waren. Die Orte Dresden, Hamburg-Schnelsen und  Offenburg standen unter anderem auf meinen Fahrkarten. Immer wenn ich eine neue Reise beginne, bin ich sehr neugierig, was sie bringen wird. Nicht nur die Messe, das Event oder das Meeting ist interessant. Nein auch die Reise. Ich kann zusehen, wie Mitreisende ihre Zeit verbringen oder bekomme Kontakte, die sich ergeben, wenn man teils stundenlang nebeneinander sitzt und ins Gespräch kommt. Meine Rückreise von der Messe Handarbeit Nord war "spontan". Ich wählte die kürzeste Verbindung und riskierte den Reisebeginn ohne Platzreservierung. Das gestaltete sich unproblematisch, denn die Züge waren nicht vollbesetzt. Einen freien Platz suchend, ging ich durch die Wagons. Bei einem "Mehrangebot" an Plätzen ist "frau ja wählerisch". Als ich dann auf einer Ablage ein Strickzeug liegen sah, nahm ich schräg gegenüber Platz. Selbiges ist nämlich auch für mich ein stetiger Reisebegleiter und oft Anlaß für die ersten Worte. "Das sieht aber kompliziert aus!" wurde ich oft angesprochen, als ich unterwegs Patchworkstrickte oder mit dem Sockenspiel an der Ferse angekommen war. Wir, die Besitzerin des anderen Wollknäuls und ich, lächelten uns immer wieder zu und klapperten vergnügt mit den Nadeln. Ich stricke derzeit an einer Jacke mit einem dezenten Zopfmuster für meinen jüngsten Sohn. Da die Wolle nicht ausreichen wird, werde ich sicher mit Fleeceärmeln komplettieren. Sie hatte eine weinrote Wolle auf einer Rundstricknadel, die lang war und die Anfänge ließen ein Lacemuster erahnen, welches derzeit besonders bei großen Stolen sehr angesagt ist. Immer wieder ging der Blick auf die Arbeit der jeweils anderen Strickerin. Sie saß neben einem ebenfalls jungen Mann, der unseren Blickkontakt auch mit einem Lächeln kommentierte. Als sie sich unterhielten, hörte ich, sie waren keine Deutschen. Erzählt haben wir nicht, aber ich glaube, wir verstanden uns ohne Worte. Respekt war im Blick und Anerkennung das wachsende Strickstück betreffend.  

Bahnfahren ist wie Nähen oder Stricken. Man fängt an einem Punkt an und dann kommt man voran. Manchmal muss man Umwege machen oder man braucht mehr Zeit, als man mal dachte. Auch Unterbrechungen des Weges sind möglich. Hin und wieder sieht man unterwegs Dinge, die man einfließen lassen kann. Als mir klar wurde, dass meine Wolle nicht reichen wird, saß mir im anderen Zug eine junge Frau gegenüber, die eine Materialmixjacke mit gestrickten Ärmeln anhatte. Und da war meine Idee da, so mache ich es auch – nur eben „andersherum”. Die Motivation, die ein wenig gebremst war, kam direkt zurück. Das Bahnfahren bringt mir die Gelegenheit, Strecken zu überwinden und dabei viel auf mich wirken zu lassen.

Man sagt ja immer: „Augen auf im Strassenverkehr”. Das ist ein Rat, die eigene Sicherheit betreffend. Ich wandle es einfach mal ab /images/emoticons/mozilla_laughing.gif: Augen auf beim Unterwegs sein. Es gibt viele Gelegenheiten, neue kreative Ideen und Kontakte mitzunehmen und angenehm an ein Ziel zu kommen, auch dann, wenn es mal länger dauert, als gedacht. Nutzt man die Zeit, ist sie nicht verloren.

Viele Grüße
Anne Liebler

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Geschrieben von carolin um 06:50 Uhr in Annes Kolumne

 

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