Freitag, 19. Mai 2006
Hilfe! Türkisch heiraten...
Bevor ich den dritten Eintrag für heute verzapfe (und mich untertänigst für so viel Input entschuldige) muss ich ein paar grundlegende Dinge klären:
Ich habe bezüglich "Ausländern" in Deutschland eine gespaltene Meinung: Ich mag sie und ich mag sie nicht (passiert mir aber auch bei den Deutschen)
Was ich nicht mag: Überfremdung. Wenn ganze deutsche Stadtteile aussehen wie klein-Istanbul, dann wünschte ich, die Bewohner würden eben dort wohnen. Ich verlange keine hundertprozentige Anpassung, aber Entgegenkommen. Wir sind in Deutschland. Wollen wir in der Türkei sein, sollten wir dort leben, nicht hier.
Was ich mag: Andere Kulturen. Vielfalt. Andere Sichtweisen. Kreativität (die durch fremde Impulse befruchtet wird) Exotik.
Was will uns die Autorin damit sagen?
Nun, ich lebe ich einer Stadt, in der viele Türken leben. Vor vielen Jahren war ich im Solinger Mütterzentrum aktiv, und wir hatten einen aktiven Austausch mit türkischen Mitbürgerinnen aufgebaut. Wir haben uns gegenseitig unsere Lebensweise näher gebracht (und typisch Frau: Kochrezepte ausgetauscht *schwärm*). Dennoch hätte keine mit der jeweils Anderen tauschen wollen, jede Mutter war ihr soziales Umfeld gewöhnt und dennoch aufgeschlossen für das jeweils andere. Wir hatten Freu(n)de und alles war wunderbar... bis ein paar fehlgeleitete Jugendliche diesen schrecklichen Brandanschlag verübten... gleich um die Ecke. Ich kann es heute immer noch nicht begreifen.
Die Bevölkerung baute in Solingen ein so gutes Verhältnis der Kulturen auf, und dann das. Die Tat Einzelner, aber man hatte dennoch das Gefühl versagt zu haben.
Und wenn man dann in Solingen tagtäglich all die Kopftuchträgerinnen sieht... und eben DAS nicht gutheissen kann, hat man ein schlechtes Gewissen. Aber kann ich als emanzipierte Frau des 21ten Jahrhunderts gutheißen, wenn Frauen (also Menschen) 2 Meter hinter einem Mann einherschlurfen? Kein eigenes Leben leben, keinen Interessen nachgehen? Nein.
Darum freue ich mich über jede der (meist jungen) Türkinnen, die sich westlich kleiden und geben können. Dennoch leben sie anders. Essen anders, trinken anders. DAS finde ich gut. Andere ethische Grundsätze, religiöse Sichtweisen. Wir können uns gegenseitig befruchten und uns neue Einsichten lehren.
Im vergangenen Jahr ging ich mit meinem Kindergartenkind Erik (damals noch 6) zu der standesamtlichen Trauung der Kindergärtnerin Ayshe (ich weiß nicht ob ich den Namen richtig schreibe). Ein türkisches Paar, modern und mit beiden Beinen im westlichen Leben stehend. Die Kinder sagten ein Gedicht auf, sangen ein Lied, Ayshe und ihr Mann haben sich sehr gefreut. Dann bekamen wir alle ein kleines Säcklein mit Konfekt, und einem Anhänger aus Glas.
Ich habe Ayshe - neugierig was dies zu bedeuten habe - gefragt, was dieser Glasanhänger denn ist. Sie sagte, es sei "das Auge Gottes" und soll allen Hochzeitsgästen Glück bringen. Ich sehe es grade, denn seither hängt es über meinem PC und wacht über mich. Glaube ich daran? Nun, ein bisschen, sonst hätte ich es ja längst entsorgt....
Andere Länder, andere Sitten. Und ich liebe es, dass es andere Sitten gibt!
Das war die Vorrede.
Jetzt zum konkreten Anlass meines Eintrags:
Ich war noch nie auf einer "richtigen" türkischen Hochzeit. Klar, wir Deutschen haben davon gehört: Die GANZE Familie rückt an, das Brautpaar und seine nächsten Verwandten stürzen sich eher in Schulden, als die Hochzeit im kleinen Rahmen zu feiern.
Als Nicht-Türke kennt man eine solche Fete nur vom Hörensagen.
Bis heute!
Als mein Mann nach Hause kam, gab er mir bedeutungsvoll einen Umschlag. Er hatte mir bereits erzählt, dass sein Arbeitskollege Adem demnächst heiraten wird. Heute bekamen wir die offizielle Einladung!
Der Wahnsinn!
Es lag ein Bild der Lokalität bei, ein Werbezettel. Der Saal ist so groß, dass man auf dem Foto kein Ende sehen kann.
Die wunderschön gestaltete Einladungskarte ist auf deutsch und türkisch verfasst. Und wir sind eingeladen! Zur Feier! Ich freu mir einen Knubbel an den Bauch!
Warum erzähle ich euch das alles? Ratet mal... Genau!
Was ziehe ich an???
Ich bin mit meinem Mann einig, dass es kein Minirock sein darf. Nach deutscher Tradition trägt kein Gast weiß, diese Farbe ist der Braut überlassen. Das Brautpaar ist so modern, dass es diese Tradition gewiss kennt.
ie Braut darf aber nicht entführt werden, schade)
Schon seit Monaten habe ich den Vogue-Schnitt V8003 im Fundus, und warte auf die passende Gelegenheit, ihn zu nähen. Wäre das was für eine türkische Hochzeit? Ich war noch nie auf einer eingeladen. Und ich möchte auch nicht, dass es das letzte Mal ist *hüstel*
Der Bräutigam hat meinen Mann schon berichtet, welcher Aufwand mit uns deutschen Gästen getrieben wird. Da die Muslime keinen Alkohol trinken, bekommen wir Trinker eine eigene Bier-Ecke. Einen Bereich mit Fässchen, der ein paar Meter von den Alkoholfreien getrennt wird. Für die Kinder kommt ein Animateur! Mannomann, das wird ein Spaß!
Den Vogue-Schnitt habe ich, aber keine Ahnung welcher Stoff aus diesem Rock ein Hochzeitsgästekleid macht......
*lach*, das war eine Menge Input für einen Tag, bitte verzeiht. Morgen muss ich kürzer treten, morgens ist Präsentationstag der Projektwoche und dann ab zur Grill-Einladung, Jipeeeeee!
Was für ein Leben: Türkische Hochzeiten und Grillabende... der Sommer wird gut!









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