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Montag, 24. Juli 2006

König Arthur lässt grüßen



Da ich ja nun in mittlerweile 8 Tagen zum Drachenfest fahre, arbeite ich an fehlenden Kostümen und Deko. Im Grunde hab ich ja was zum Anziehen, mein Druidenoutfit. Aber was soll ich sagen.... es ist WARM in Deutschland. In dem langärmligen Fummel geh ich kaputt!

Darum überlege ich nun schon recht lange, was ich Luftiges nähen kann ohne den MA-Look und das Fantasy-Element außer Acht zu lassen. Stunden über Stunden hab ich die Google Bildersuche bemüht, und bin schliesslich auf Bilder des Kinofilms "König Arthur" gestossen. Keira Neightley tummelt sich nicht nur auf Piratenschiffen, sie hat auch die Guinevere im Arthur-Film gespielt. Dieser Film sticht aus der Masse der Arthur-Filme heraus, da der König gewandungstechnisch römisch angehaut dargestellt wird, und Guineveres Gewand pendelt zwischen High-Fantasy und römisch-mittelalterlich.



Verliebt habe ich mich dann in dieses Kleid



Die Grafik ist in einer sehr guten Auflösung vorhanden, schaut sie euch mal an und zoomt ran... man kann sogar den schrägen Fadenlauf im Oberteil sehen. Was sagt uns das? Richtig: Das Kleid wurde ohne Abnäher im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, ein - wie ich weiß- moderner Trick im Zuschnitt, um Kleidung auch ohne Abnäher aus nichtelastischem Stoff auf Figur zu bringen.

Im Grunde ein schöner Trick, aber völlig unmittelalterlich. Die wenigsten Kinozuschauer werden es bemerkt haben.... Und der Film will ja auch gar nicht authentisch sein, also was soll´s.



Das Bogenschützen-Outfit hat es ebenfalls in sich, ich vermute jede mittelalterliche Dame wäre umgehend aufgeknüpft (oder Schlimmeres) worden, wenn sie so herumgelaufen wäre: Leder-Kluft

ja ja, irgendwann mach ich mir das Kostüm auch ;-)

Nun, besagtes obiges Kleid musste her! Denn: Wie man auf anderen Bildern des Kostümes sehen kann, sind die Ärmel oben angeknöpft (früher "nestelte" man sowas, also befestigte es mit Bindebändern). Und was man knöpft, kann man auch abmachen! Super für heisses Wetter!Also ran an den Stoff-Fundus (zur Erinnerung: 12 Meter grüne Baumwolle-Leinen vom Opladener Stoffmarkt) und einen Schnitt gesucht. Ich hatte diesen MacCalls Schnitt im Fundus:

Elfenkleid



Oben habe ich den Ausschnitt vergrößert, damit nur ein schmaler Steg übrig bleibt, der ebenfalls geknöpft aussieht. Die Ärmel habe ich gemäß des gewünschten Schnittes (lang und unten grade) verlängert und die Naht von unten nach oben verlegt. Dort ist der Ärmel dann offen, also ganz ohne Naht (da ich Ärmel einsetzen hasse, genau mein Ding!) Zum Befestigen bekamen Ärmel und Schulternaht Knöpfe und Schlingen.



Ich habe Abnäher (Wiener Nähte, wie im Schnitt angegeben) verwendet und den Stoff NICHT schräg zugeschnitten, ich habe eine persönliche Abneigung gegen schräg geschnittene Kleider.



An der unteren Ärmelkante und Armausschnittkanten wurde mit einer grünen Wollborte verstürzt/eingefasst. Statt wie im Schnitt angegeben hinten zu schnüren, habe ich die Schnürung auf die Seite verlegt, das wollte ich immer schon mal ausprobieren. Es hat auch gut geklappt, allerdings wirft diese Schnürung nun immer Falten in der Taille. Es gibt Schlimmeres.



Die Ösen für die Schnürung habe ich mit der Hand umstochen, ich wollte keine Metallösen. Da diese Ösen nun durch meherere Lagen Stoff gehen, wurden die Löcher arg klein. Zum Schnüren habe ich aus schwarzer Wolle eine Schnur gefertigt, mit "Fingerhäkeln". Zunächst wollte mir beim besten Willen nicht mehr einfallen, wie das ging... ich hatte diese Technik vor rund 30 Jahren das Letzte Mal verwendet *lach*



Aber ein Hilferuf im Forum der Hobbyschneiderin brachte Abhilfe. Nach Tipps der Leserinnen fand ich diese Anleitung /images/emoticons/mozilla_laughing.gifanke an die Autorin Gisela Beyer):PDF-Anleitung Fingerhäkeln



Damit hab ich dann die Bänder für die Schnürung gemacht (beim Sonnenbad im Freibad).



Thema Schleppe: Ich brauche einfach eine Schleppe an allen meinen Kostümen. Aber aufgrund praktischer Überlegungen habe ich die sehr lange Schleppe des MacCall-Schnittes stark gekürzt, und ich finde der "Rest" macht auch noch was her.

Also hier mein Kleid, ich zeig euch ein paar Bilder, denn das jüngste Werk ist immer mein Liebstes! Also kann ich mich gar nicht sattsehen. Und diesmal vor den Tomaten der Nachbarn.



Die ärmellose Version (Ärmel abgeknöpft) mit Gürtel auf der Taille:







Dann mit Ärmeln, und den Gürtel hochgeschoben. Ulkigerweise wurde diese Taillen-Höhe im Arthus-Film verwendet, was völlig unauthentisch ist, soweit ich weiss. Diese hohe Taille gab es nur in der Renaissance und Empire, aber irgendwie sieht diese Variante an dem Filmkostüm absolut passend aus. Und da ich den Effekt mit einer simplen Änderung der Gürtelweite erreichen kann.... warum nicht mit diesem Detail herumspielen?




Und jetzt noch ein Gag-Bild... na, woran erinnert euch das? Jo, es "fehlt" eine Kleinigkeit, aber wozu habt ihr Fantasie? :-D




Jetzt habt ihr es geschafft! Ihr wisst fast alles über mein neues Kleid, ausser der Garnfarbe, mit der ich die Nahtzugaben abgekettelt hab (beige)..... darüber schweigt des Dichters Höflichkeit.



Geschrieben von babbelgum61 um 12:28 Uhr in Werke
   

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