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Sonntag, 8. Oktober 2006

An der Tafel des Elbenfürsten


Als zwanzig Sonnenjahre vergangen waren, gab Fingolfin, der König der Noldor ein großes Fest...

Willkommen seien an seiner Tafel Elbenvölker Mittellandes, Mittelerdes und Albenmark;

Hobbits und Menschen aller Regionen..Mögt ihr Ambiente und geselligen Tanz?

handgemachte Musik und herrliche Greifvögel???

Baderfreuden, Gauckler und stimmungsvolle Elbentavernen?

Kurzweil mit Bogen und Schwert..

Diese Einladung erreichte mich auf der schönen Burg zu Satzvey, am Haus des Falkners. Dort traf ich die mir bis dato unbekannte Organisatorin des Elbenfestes, und folgte freudig der Einladung.

Was genau sollte stattfinden?

Nun, ihr wisst ja bereits um meine Leidenschaft zum "Ver-Kleiden" welches ich in meinem Hobby "Larp" auslebe. In diesem Fall sollte auf Burg Bilstein im Sauerland eine 3-Tages-Con(vention) stattfinden, und zwar eine Con des Typs "Ambientecon".

Larp-Conventions sind sehr vielfältig und unterschiedlich, mal wird mehr gekämpft (mit Larp-Waffen, versteht sich) mal werden kniffelige Rätsel gelöst, mal trifft man sich nur zwecks gewandeter Geselligkeit. Das "Mittelerde-Erntedank" sollte eine Mischung aus wunderschönem Ambiente, prächtiger Gewandung und edlem Wettstreit werden. Während der 3 Tage auf der Burg konnten die Teilnehmer Abenteuer erleben, sich als Bogenschützen oder Waldläufer beweisen, oder sich gar als bester Tänzer beweisen! Da ich nicht die ganzen 3 Tage dabeisein konnte, durfte ich /images/emoticons/mozilla_laughing.gifanke, Marja!) mit einer Freundin aus meinem Schottenclan das Filetstück der Con genießen: Das abendliche Festbankett.

Also Kind untergebracht, Schleppenkleid ins Auto, und ab zu Eilionor, meine Druidenschwester vom Clan. Nach Kaffee, schminken, einschnüren, aufrüschen...ab auf die Autobahn. Wir haben ja Glück: Für uns liegt die Burg Bilstein eine knappe Autostunde von Eilionors guter Stube entfernt, wir trafen gegen 16 Uhr auf der Burg ein. Für mich war es der erste Besuch auf der Burg Bilstein, die eigentlich eine Jugendherberge ist, aber was für eine! Türmchen, Burghof, verwunschener Brunnen (da sitzt- ungelogen!- ein Frosch mit goldener Kugel drin!) und weitere, wunderschöne Gebäude.

In einem der Nebengebäude wurde bei unserem Eintreffen bereits fleissig dekoriert, für die abendliche Tafel des Elbenfürsten. Im Hof befand sich ausserdem ein wunderhübscher Verkaufsstand. Zum Unglück aller Händler bin ich als Ex-Händler ja recht immun gegen die Verlockungen von Anbietern, die Dinge feilbieten, die ich selbst machen kann: Kleidung, Lederaccessoires, Dekorationen. Aber die kleine, feine Firma Rheingold ist seit gestern etwas Besonderes für mich und Eilionor. Die Inhaberin Kerstin, genannt "Kiki", ist so eine richtige Powerfrau, und hat sich im Laufe des Abends so richtig in unsere Herzen geredet!

Sie betreibt ihr Lädchen mit so viel Herzblut, beihahe schade, dass ich keine Gewandung bei ihr kaufen kann! Aber ich denke, wenn ich mal was anderes brauche, was ich nicht selbst herstellen kann, dann ist dies meine erste Adresse! Und wer nicht nähen kann, sollte dort mal vorbeischauen, denn Kiki legt großen Wert darauf, dass sie keine Kleider von der Stange verkauft!

Neben dem hübschen Verkaufsstand von Kiki befand sich auch ein Bader mit seinem überdimensionalen Zuber nebst Badehaus auf dem Hof. Keine Ahnung, wie der Inhaber dieses dampfenden Tiegels hiess... wenn ich nicht völlig daneben liege war er auch der Barde, der mich und einige andere Damen zu später Stunde mit seinem Gesang bezauberte...und hieß Stefan. Den Rest bekomme ich schon raus..... (Als wir kamen, plantschte bereits eine Kundin in seinem heissen Wasser und kam erst gegen Mitternacht wieder heraus! 9 Stunden Baden, irgendwann probiere ich das auch mal, es schien ihr jedenfalls nicht geschadet zu haben!)

Solchermassen von der geballten Ladung mittelalterlichem Flairs schier überwältigt, sollte es beim abendlichen Festbankett noch besser kommen! (Was ich im nachfolgenden Bericht aus dramaturgischen Gründen nicht erwähnt habe, sind die sehr unmittalalterlichen Musikeinlagen, die der Abend noch bereit hielt: Da ein Kölner Tabourcorps (das sind die, die im Karnevalszug die Marschmusik machen) sich auch in der Jugendherberge zwecks intensiver Probens eingemietet hatte, gab es ein Konzert neben dem Wunschbrunnen im Burginnenhof, Kölner Karneval im tiefsten Sauerland! Und später, als es bereits dunkel wurde, gab der Burgherr (oder Herbergsvater?) ein Ständchen auf dem- jetzt haltet euch fest- Dudelsack! Diese Burg ist sowas von PERFEKT!!!!!)

Ich habe in dem Text des heutigen Blogs viele Links versteckt, alle BILDER sind von einem VERGANGENEN Festbankett, vom gestrigen gibt es leider noch keine im Moment. Aber dennoch sah das Ganze ziemlich genauso aus......

Lehnet euch zurück und lauschet meiner Stimme:

Im großen Burghof zog Dunkelheit auf. Der zauberhafte Blick über das grüne Tal verblasste mehr und mehr, und das traurige Grau der fortgeschrittenen Dämmerung legte sich über die prächtigen Roben der Festgäste, welche, noch im eifrigen Gespräch vertieft, die feuchte Kühle des Abends nicht bemerkten.

"Tretet ein, es wird kühl" vernahmen wir die Stimme der Zeremonienmeisterin. So sollte der Abend beginnen, der Höhepunkt eines Tages voller edlem Wettstreit und höfischem Treiben. Wir traten ein in den Festsaal. Hohe Decken, von baumdicken Balken gestützt. Ein Duft von jahrhundertealtem Rauch lag in der Luft, diese Patina, die nur ehrwürdige Gebäude haben, in denen schon Generationen gelebt, gegessen, gelacht und gefeiert haben! In dem großen Kamin prassete ein heimeliges Feuer. Hunderte von Kerzen spiegelten sich in den Augen der Gäste wieder, ein Glanz der unbeschreiblich ist, mehr als nur Licht! Freude, Wärme, Freundlichkeit, all dies sah man im Glanz des Wiederscheins.

Zu unserer Linken erwartete uns der Schankwirt und seine rührige Hobbit-Maid, die unermüdlich Apfelmost und die köstlichsten Beerenweine ausschenkte. Für die anderen Geschmäcker gab es gar Wasser und Gerstensaft, kein Wunsch einer durstigen Kehle sollte unerfüllt bleiben.

In der Mitte des Raumes die lange Tafel des Elbenkönigs, seiner Königin und des Hofstaats. Geschickte Hände hatten die Tafel und auch die Tische der geladenen Gäste mit herbstlichen Dekorationen geschmückt, die reiche Ernte der Mutter Erde lag vor uns ausgebreitet. Alle Farben des Herbstes erfreuten unser Auge, von der Decke hingen die farbenfroher Banner der hohen Häuser von Gastgeber und Gästen herab. Auch das Banner meines Heimatlandes, die Flagge der Könige von Schottland, fand ich dort, sehr zu meiner und meiner Druidenschwester Eilionor Freude.

Nach der offiziellen Eröffnung des Festes wurden die Sieger der edlen Wettstreite geehrt, nach dem Wettkamp im Bogenschießen, Waldlauf und Tanz gab es strahlende Sieger(innen) und geschmeichelte Recken.

Als Gast trat auch der Falkner der Burg Satzvey zu den Gästen, er hatte den schnellsten Boten des Elbenkönigs mitgebracht, einem ebenso flinken wie gelehrigen Bussard. Bevor er sich am Tisch seines Herrn niederließ, sah der edle Vogel sich die abendliche Gesellschaft aus luftiger Höhe an und flog von Balken zu Balken.

Nach musikalischen Darbietungen gab der Geschichtenerzähler uns eine Probe seines Könnens. Mit blossen Worten vermochte er es, uns über Zeit und Raum an fremde Gestade zu entführen, zu Göttern und Wundern, zu Feen, holden Maiden und stattlichen Rittern. Am Ende einer jeden Geschichte vergaß er auch die tiefere Bedeutung seiner Geschichten nicht, die von Gastfreundschaft oder wahrer Liebe sprachen.

Als das erwartete Mahl mit Verspätung endlich beginnen konnte (die Kutsche des Kochs war mit einem Achsbruch liegengeblieben und hilfreiche Gäste mussten mit ihren eigenen Wagen herbeieilen, um Abhilfe zu schaffen), erwartete uns eine weitere Überraschung: Selten hat man das Glück, solch vollendete Speise zu genießen. Jeder Gang schien besser zu munden als der vorherige, und ich selbst habe es sehr bedauert, in meiner Eitelkeit ein recht enges Gewand gewählt zu haben... hätte ich doch von den köstlichen Speisen gerne mehr gekostet, aber schnell war ich so satt, dass ich mich nur noch glücklich und mit einem Wohlgefühl zurücklehnen, und der zauberhaften Musik der Barden lauschen konnte.

Kaum waren alle Gäste gesättigt, kam Unruhe im Burghof auf. Nazgul, böse Ringgeister und Abschaum des Bösen, hatten Zutritt zur Feste erlangt. Alle Gäste rannten erschrocken zum Burghof um sich in den Kampf zu stürzen oder den Kämpfern mit guten Worten beizustehen. Zwei besonders mutige Krieger warfen sich in die vorderste Front und besannen sich ihrer magischen Künste: Mit brennenden Schwertern gingen sie gegen die Geister vor! Schnell wurden diese zurückgeschlagen und aus der Burg vertrieben.

Nun wollten wir weitere Kostproben dieser Zauberkunst sehen! Die beiden Magier konnten ja noch so viel mehr! Brennende Stäbe wirbelten durch die Luft, in Brand gesetzte Ketten zischten mit Getöse an den Gesichtern des gebannten Publikums vorbei! Zum Abschluss ihrer Vorführung spien sie Feuer wie der Drache selbst! Welches Schauspiel! Über all dem sah der gute alte Mond uns zu, der voll und hell über der Burg stand.

Nachdem unsere Gemüter sich wieder beruhigt hatten, fanden wir uns zum höfischen Tanze im Burghof zusammen. In geselliger Runde drehten wir uns zum Spiel der Bardin, und trotz klammer Kälte wurde den Tänzern warm und wärmer. Ein weiteres Glas Met musste her! Zurück in die Festhalle zum Feuerschein, ins Kerzenlicht, Prasseln des Kaminfeuers, in das Stimmengewirr illusterer Gäste, vertieft im geistigen Austausch.

Erst zu später Stunde gesellte sich der Herr des Badehauses zu unserer kleinen Schar, der meine Schwester und ich uns angschlossen hatten. Und zu unserer freudigen Überraschung entpuppte sich dieser als talentierter Barde, und brachte den errötenden Damen manch unzüchtiges Ständchen. Es schlug schon Mitternacht und der volle Mond tat sein Übriges: Die Magie der Minne lag in der Luft, doch schweren Herzens mussten meine liebe Schwester und ich den Heimweg antreten, denn unsere Pferde mussten uns noch weit über Land tragen, in die dämmrige Sicherheit von Heim und Herd, welches man vermisst, nach einem Tag so voller Licht und Leben!

So seid gewiß, ihr meine lieben Freunde: Dies war ein Tag und eine Nacht, die so schnell nicht vergessen werden wird!



Geschrieben von babbelgum61 um 20:58 Uhr in Privates
   

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