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Mittwoch, 11. Oktober 2006

Zeitreise mit Burda


Ich sagte ja bereits des Öfteren, dass ich ein Sammler und Jäger bin, und seit ich wieder mit dem Nähen angefangen habe, gilt das nun auch für Schnittmusterhefte.

Ich habe in den 80ern genäht, "learning by doing" und Anleitungen Schritt für Schritt gelesen. Dann kam ich in das Nähatelier meiner Ex-Schwägerin und brauchte zwar keine Anleitungen mehr, aber immer noch Schnitte.

Dann kamen die Stempel, und ich hab das Nähen an den Nagel gehängt, die NäMa in die Garage und mal hier, mal da eine Burdamoden gekauft. Ich hatte keine Ahnung von holländischen, dänischen, finnischen, spanischen oder italienischen Heften. Schnitte aus USA kannte ich aus meiner Zeit mit den Star Trek Fans, aber damals war Internet noch etwas für große Firmen oder Studenten der technischen Fachrichtungen.

Zurückgekehrt an die Nähmaschine komme ich aus dem Staunen nicht heraus: Firmen sind per Mausklick zu erkunden (meinen uralten Simplicity-Katalog hebe ich trotzdem auf) und man findet alles und jedes noch so ausgefallene Ding, seien es Schnitte, Hilfsmittel oder Techniken.

Tja, und was tun im Dschungel dieses Angebots? Ich liebe meine gute alte Burda. Tradition, Innovation, die Muttersprache.... alles in einem Heft, das es am nächsten Kiosk gibt. Und ich sammle. In Aachen am Grabbeltisch, im Internet, in Foren. Und so kam es, dass ich letzte Woche im Forum der Hobbyschneiderin eine Kollegin sah, die ihre alten Hefte verkaufen wollte. Schnell meine Liste geholt und verglichen. Wow! 12 Hefte, die ich noch nicht hatte! Schnell bestellt (bei 50 Cent pro Heft wird Burda arm an Leuten wie mir), bezahlt und am nächsten Tag gingen die Hefte auf die Reise.

Heute traf das schwere Päckchen hier ein. Könnt ihr euch vorstellen, wie das ist, wenn man die komplette Jahresproduktion des Burdamoden-Magazins AUF EINMAL in den Händen hält. Irre! Da ich nach einer Stunde nochmal los musste, hab ich 2 Ausgaben sogar mitgenommen...bloss nicht wieder hergeben.

Und so kam es, dass ich nun endlich den 1999-Jahrgang komplett besitze! Das war nur die Vorrede. Denn: Wenn man so wie in meinem Fall "neuen" Input bekommt, jedoch mit "alten" Inhalten.... bekommt man einen ganz anderen Blick für manche Details.

Beispiel: Bereits in einem 99er Heft war der erste "Shrug" (kleines Jäckchen mit langen Ärmeln und nur die Schultern bedeckend) abgebildet, in einer Ausgabe die ich heute erst bekam sogar mit Schnitt. Vor 2 oder 3 Ausgaben, also 2006 (!) gab es dieses "Shrug" als Neuheit. Na ja, Mode wiederholt sich halt, wissen wir ja alle. Aber in einer 2006er Ausgabe Burdamode fragte eine Leserin, was ein "Shrug" denn sei. Tja, hat sie die 1999er nicht gelesen, was? ;-) Scherz

Was ich damit meine: Ich glaube nicht, dass ich mir jenes Modedetaill 7 Jahre lang gemerkt hätte... um es dann als bereits dagewesen zu erkennen. Durch den geballten nachträglichen Input sehe ich, wie und wo sich was wiederholt, wann Trends begonnen haben (Wickelblusen sind ein alter Hut! Das weiß ich erst seit kurzem) oder wo Altes als Neu gepriesen wird.

Das soll kein Vorwurf sein. Nichts ist einem größeren Wandel unterworfen als die Mode. Nur Wolken ziehen schneller....

Aber nachdem ich nun die Mode der letzten 25 Jahre im Schnelldurchlauf an mir vorüberziehen sehe... so sehr neu und anders ist sie nicht. Ich habe in 80er Heften Schnitte entdeckt, die ich mir bald nähen werde, und dann frage ich euch aus welchem Jahrgang die wohl sein mögen. Ich wette da kommt ihr nie drauf! (Bis dahin vergesst ihr bitte wieder, dass ich es angekündigt habe :-D )

Was ich auch noch ulkig finde: Das Jahr 1999 hat es mir angetan! Kein Jahrgang hat mir bisher besser gefallen! Bin ich nun altmodisch? Manchmal denke ich das. Oder ist Burda so innovativ, dass es 7 jahre dauert bis es einem gefällt? Ich fürchte es liegt wohl eher an mir, schluchz, ich hatte noch nie den Mode-Geschmack den jeder hat. Aber anders wär´s auch langweilig, oder?

Noch was zum Thema Zeitreise:

Auf dem Bonner Nähkränzchen sah ich, zum ersten Mal im Leben, einen Schrägbandformer. Ich kannte dieses geniale Dingelchen bisher nicht, und fragte, seit wann es den wohl gibt. Genau wusste es niemand, aber weil ich mir sooo sicher war, dass er keinesfalls älter als 10 Jahre sein könnte, denn so lange habe ich Nähpause gemacht, sagte jemand es gäbe ihn wohl seit 4-5 Jahren.

Letzte Woche habe ich eine Kiste Carinas aus den 80ern entstaubt... in der Dezember 1987 Ausgabe war ein kleiner Artikel über ein neues Produkt: Der Schrägbandformer. Soviel dazu.

Ist es nicht schön, wenn man ein Gedächtnis hat wie ein Sieb? *Man kann jeden Tag die Welt neu entdecken, auch wenn man sie schon tausendmal gesehen hat!*



Geschrieben von babbelgum61 um 22:46 Uhr in Burda
   

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