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Montag, 27. November 2006

Offene Kanten

In einer Burda diesen Jahres wurden einige Modelle mit sogenannter "offenkantiger Verarbeitung" gezeigt. Ich fand diese Kanten scheußlich. Nun weiß ich auch warum: Die "offenen Kanten" waren einfach die Kante der Nahtzugabe nach außen, also sichtbar, verarbeitet. Logisch. Aber da hingen Fäden lose runter, sollten wohl einen "Undone"-Eindruck hinterlassen.

Na ja, also ich bin ja eine recht schlampige Schneiderin, und lasse meine 5 oft genug grade sein. Aber sowas war mir dann doch des Schlampigen zuviel. Nun bekam ich kürzlich eine Ausgabe des amerikanischen Nähmagazins "Threads" in die Finger, zu deutsch "Fäden". Zu meiner Überraschung fand sich dort kein einziger Schnitt (ja, es darf gelacht werden, ich wusste das nicht) aber massenhaft Know-How und Tipps und Tricks.

Eines der Themen, "Deconstructed Seams", hat es mir sofort angetan! Link zu dem Artikel.) Dort wurde gezeigt, wie offenkantige Verarbeitung auch aussehen kann, nämlich schlichtweg "verarbeitet". Die offenen Kanten sahen dort nicht aus, als hätte man sie nur vergessen zu versäubern... man sah, dass dieser Effekt vollste Absicht war!

Bei Scherzkeks-Stoffe in Aachen habe ich mir ja ebenfalls erst vor kurzem einen wunderschönen Stoff mitgebracht. Er sieht ein wenig aus wie ein pastellfarbener Polsterstoff, aber hat meine barocken Hirnregionen sofort angeregt. Trotzdem wollte ich mir eine Jacke daraus machen, die weder Barock noch Mittelalter ist, sondern zu allem passt, also auch zur Jeans. Es konnte nur eine Kurz-Jacke mit leichter Kastenform werden.

In der Burda 10/2005 fand ich einen süßen Schnitt mit leicht ausgestellter Form. Kurz und knapp, weite Ärmel. Da ich noch etwas mit der Jacke vorhabe, sollte sie auch sehr weit sein. Leider finde ich die Burda-Ausgabe nicht mehr online, also muss ich euch die Bildvorlage schuldig bleiben. Die Jacke war sogar auf dem Titel abgebildet.... Allerdings gefiel mir der spitze Kragen nicht, und darum habe ich die Ecken des Reverskragens abgerundet.

Die besondere Technik, die ich aufgrund des Artikels in der Thread ausprobieren wollte, kommt laut Threads auf 2 verschiedene Arten zustande: Entweder, man ribbelt die Kante eines grade geschnittenen Stoffes auf, sichert diesen aber, indem man den Stoff mit der Zackenschere zuschneidet. Oder man schneidet den Stoff schräg zu. In jedem der Beispiele wurden noch Schrägstreifen mitgefasst, um den Effekt der offenen Kanten zu verstärken.

Das Ganze hat mich sofort sehr an die Chenille-Technik erinnert. Auch dort werden ja mehrere Lagen schräg vernähter Stoffe aufgeschnitten, damit die z.B. 4fachen, fransigen Kanten mehr Fülle erzeugen. Versteht ihr das soweit? Ok, also habe ich mir zu dem Stoff aus dem Scherzkeks-Laden noch einen weiteren gesucht, den ich als Schrägstreifen mitfassen konnte. Ich fand sogleich einen netten Ikea-Stoff in meinem Fundus, den ich seinerzeit- da im Angebot- gleich als Ballenware gekauft hatte, und der ähnliche Farben in Kette und Schuss hat wie der "Polsterstoff".

Aus dem Ikea-Dekosatin habe ich dann Schrägstreifen zugeschnitten, Breite=Nahtzugabe mal 2 plus 1cm. Also 4 cm, auf die Hälfte gelegt und gebügelt. Dann selbige zwischen die vordere Kante der Jacke und den Beleg gelegt, denn nur dort sollte es fransig werden. Und zwischen den Oberkragen, logisch. Dann den Beleg links auf links festgenäht, ebenso den Oberkragen. Und endlich gibt es mal ein Foto, auf dem man ganz gut erkennen kann, wie das Ganze funktioniert.(Click auf´s Bild für groß)

In der linken Stoffkante (Oberkragen) sieht man schon, dass ich angefangen hatte, erste Fäden herauszuziehen. Erst dann habe ich mir den Threads-Artikel mal so richtig durchgelesen (typisch) und stellte fest, dass die ENTWEDER grade oder schräg zugeschnitten haben. Mein Fadenlauf verläuft ja mal so, mal so, da ich einer Schnittkante gefolgt bin. Darum habe ich, damit an den Stellen wo der Fadenlauf gerade ist nix ausribbelt, die kompletten Kanten mit einem engen Zickzack-Stich gesichert. Sieht man auf dem großen Bild ganz gut. Sieht sogar recht dekorativ aus, hehe.

Die fertige "offene Kante" seht ihr hier:

Und das ist es, was ich meine: Die "offene Kante" ist dekorativ, weil füllig und gleichmäßig. Ich habe ewig lange gebraucht, bis alle Fäden- ob schräg oder grade- herausfummelt waren, dann habe ich mit einer Nadel die zwischengefassten Schrägstreifen zerfranst, was eine tolle Fülle ergab! Ich finde diese Kante süß, so richtig plüschig.

Da ich in Ermangelung einer 2ten Schneiderpuppe die Jacke mal schnell über das rote Abendkleid gehängt habe, welches momentan noch auf meiner Dekopuppe hängt (wohin auch damit?) sah ich, dass diese pastelligen Farben der Jacke auch hervorragend zu Rot passen.

Ist das nicht klasse? Schade, dass ich den roten Fummel so bald nicht wieder anziehe....

Aber da die Jacke ja noch weitere Gestaltung erfahren wird, ist das nicht das letzte Wort zu meiner "Polsterstoff-Winter-Wunder-Jacke". Denn irgendwie sah sie an mir nicht so aus, wie ich mir das gedacht hatte, und das war ein bisschen frustrierend.

Als mein Männe und ich dann abends ausgehen wollten, und ich nach einer ergebnislosen Stunde vor dem Kleiderschrank kurz vor dem "ich- habe- nichts- anzuziehen- Nervenzusammenbruch" stand, hab´ ich mir einen alten Leder-Mini geschnappt und meine weiße Volant-Bluse. Und auf einmal...... MAGIE..... sah die Jacke mit dem braunen Ledergürtel, der eigentlich die Bluse auf Taille bringen sollte, schickimicki aus. Wer hätte das gedacht? Also ich nicht.

Und ich war von meinem Quickie-Outfit selbst so begeistert, dass ich mal wieder jede Menge Fotos gemacht hab, eins davon müsst ihr nun gucken, bevor ich den Sohn aus der Schule abhole (wieder click auf´s Bild für eine große Bärbel ;-) ):



So, mal sehen, was ich heute nähe :-)

Rauskopiert habe ich den nächsten Schnitt schon gestern Nacht....................
























Geschrieben von babbelgum61 um 11:29 Uhr in Werke
   

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