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Montag, 4. Dezember 2006

6 Milliarden Einzelteile

Habt ihr eine Ahnung, wie lange es dauert, bis man hier 22 Bilder hochgeladen hat? Aber was sind schon 22 Fotos im Vergleich zu einem Tag voller Informationen und Inspirationen! Wir waren gestern auf dem Tag der offenen Tür bei Prym.

Ich weiß nicht, wie lange die oben verlinkte Info-Website von Prym noch erreichbar ist, denn von dort aus findet man weitere Informationen zu diesem Tag. Im Rahmen von "Deutschland- Land der Ideen" wurde der Prym-Standort Stolberg (bei Aachen) ausgewählt, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Und das war auch gut so, ist es mir zumindest bisher nicht gelungen, der Prym-Homepage irgendwelche sinnvollen Informationen für Endverbraucher zu entlocken. Vielleicht muss ich nur noch weiter suchen (was dennoch eine schlechte Note für die Website bedeutet)

Aber so ärgerlich der Internetauftritt für mich kleine Hobbyschneiderin ist, so absolut begeistert bin ich von dem Tag der offenen Tür in Stolberg. Zunächst sahen wir die Fabrik von außen: Ich habe mich bei dem mehrminütigen Fußmarsch um´s Gebäude gefragt, wieso eine Fabrik, die sowas Winziges wie Druckknöpfe herstellt, so GROSS sein muss. Jetzt weiß ich es: Die machen nun mal GANZ VIELE davon!

Neben dem lockeren Besucherprogramm, bei dem für die ganze Familie etwas geboten wurde, und an dem ortsansässige Vereine und Geschäftsleute sehr tatkräftig mitarbeiteten, gab es von Prym selbst mehrere Highlights: Eine Ideen-Werkstatt, in der bekannte Damen aus dem Kreativbereich ihre besten Ideen zeigten, und eine Ausstellung mit historischen Prym-Produkten,- Anzeigen und- Anwendungen. Vom Braut- bis zum Taufkleid war alles vertreten, woran unsere Urgroßmütter die Prym-Druckknöpfe genäht haben. Ganz aktuelle Mode-Ideen fehlten ebensowenig, wie traumhafte Roben mit den neusten Prym-Produkten. Was sich jetzt liest wie eine Werbebroschüre, wurde für uns am gestrigen Sonntag anfassbare Wirklichkeit.

Mein persönliches Highlight aber waren die Werksführungen. Von kompetenter Seite wurde den Besuchern alles und jedes Detail erklärt, geduldig und mit Begeisterung. Man konnte 3 verschiedene Führungen durch unterschiedliche Werksbereiche machen, von denen ich leider nur eine schaffen konnte. Unser Leiter hieß Andreas Utecht, und wurde von einem weiteren Mitarbeiter unterstützt, der zwar ebenso Fragen beantwortete, aber leider kein Namensschildchen trug.

Mir fehlte mein Status als Journalist: Als solcher konnte ich seinerzeit jedem armen Opfer Löcher in den Bauch fragen. Und mit einem Notizblöckchen rumrennen. Ohne meinen Block bin ich nun arm dran, denn all die Daten und Zahlen sind nur noch eine vage Erinnerung. Machen die wirklich mit der ersten Maschinenstraße, die man uns zeigte, mehrere Millionen Druckknopfteile am Tag? Oder im Jahr? Ich muss wieder für eine Zeitung arbeiten, dann kann ich im Auftrag von XY anrufen und sowas nachfragen. Mach´ das mal als Privatperson. Egal, genug gejammert, denn eine Zahl ist unverrückbar: 6 Milliarden Einzelteile! 6 Milliarden Einzelteile werden jährlich im Prym-Werk zu Druckknöpfen, Nieten, Ringen etc, zusammengesetzt. Diese Zahl habe ich nicht einmal selbst gehört, sie kam von meinem Sohn Erik, 7 Jahre.

Nachdem mir die erste Werksführung, die nicht wie angekündigt 30 Minuten, sondern ganze 60 Minuten dauerte, so gut gefallen hatte, habe ich meine Männer, Vater und Sohn, auch hingeschickt. Und Junior war beeindruckt! Es hat den beiden so gut gefallen, dass sie Führung 2 auch noch drangehängt haben, und somit sogar Dinge gesehen und gehört haben, die mir entgangen sind. Nun spricht Erik nur noch von Druckknöpfen, und hat seinen rosafarbenen Prym-Chip für den Einkaufswagen, die jeder Gast am Ende der Führung bekam, mit in die Schule genommen.

Als wir heute im Karstadt in der Kurzwarenabteilung standen, entdeckte er das Knopfsortiment. "Das haben wir gestern gesehen" sagte er, aber er sah nur ganz normale Knöpfe. Einmal umgedreht jedoch, standen wir vor einem großen Prym-Regal, und seine Augen leuchteten. "Prym! Prym!" rief er, und zeigte auf all die Drücker, deren Herstellung wir gestern gesehen hatten (zum Glück kennt uns im Karstadt niemand :-D )

Mein Mann sagte mir heute, nach der zweiten Führung hätte Junior nur gemeint "Ich wollte schon immer mal eine Fabrik sehen"... Na, dann war der Besuch bei Prym ja genau das Richtige!

Doch nicht nur die Prym-Mitarbeiter der Führung durchs Werk waren unglaublich nett, auch alles was mit einem Prym-Schildchen durch die Gegend lief schien auskunftsfreudig und offen zu sein. Als würde Prym sich freuen, endlich mal seine Tore für Besucher zu öffnen. Man fühlte sich willkommen und umsorgt.

Da wir bei einem anderen Highlight der Veranstaltung unseren ganztägiggen Besuch beendeten, blieben mir die dortigen Mitarbeiter besonders gut in Erinnerung. Leider habe ich- wie unprofessionell- keine Namen, aber die Damen und der Herr an der Kasse des Werksverkauf...die könnte ich knuddeln. Mein erster Einkauf dort fand mit 4 Euro statt, einem lächerlichen Betrag angesichts all der Wahnsinns-Schnäppchen, die man dort bekommen konnte. Also habe ich sämtliche Wühlkisten immer und immer wieder durchforstet, und am Ende dann 3 Glitzer-Pailetten-Broschen und ein Swarowski-Brilli-Set für schmale Träger eingesackt. Für schlappe 4 Euro! Hätten die mein Plastikgeld genommen, wäre der Laden jetzt leer :-D

Aber ich hatte meine Filzschachtel dabei, weil ich die "pimpen" (Neudeutsch für "aufpeppen"/images/emoticons/mozilla_wink.gif wollte. Die fand der nette Herr an der Kasse so knuffig, dass ich Satinbänder und ein kleines Leporello mit schönen Bildern aus der Firmengeschichte bekam (die Satinbänder bekam jeder Kunde glaube ich) Hach, ich bekomme sooo gerne was geschenkt... :-D

Dann ab zum pimpen. Ich hatte mir neulich eine Schachtel aus Filz genäht, um eine kleine Technik auszuprobieren. In Ermangelung von passender Dekoration wollte ich diese in Stolberg aufpeppen lassen. Als ein Programmpunkt wurde "pimp your Jeans" beworben, in der Ideenwerkstatt standen kundige Mitarbeiter bereit, um aus einer Auswahl von Knöpfen und Nieten das Passende auf Jeans und Jacken zu befestigen. Ich habe einen ruhigen Moment abgewartet, und los ging´s. Ich habe mir 3 Nieten in Kreuzform mit einem blauen Funkelstein in der Mitte ausgesucht. 3 Kreuze nebeneinander bedeutet bei meinen amerikanischen Stempelfreundinnen soviel wie "Hugs and kisses". Ja gut, da müssten noch Kreise zwischen sein, aber wer weiß das hierzulande schon...

Nun wisst ihr also, dass meine blaue Filzschachtel mit "Hugs", also Umarmungen dekoriert ist. Toll was? Aber damit sind wir ja noch lange nicht am Ende. Denn nachdem ich dann endlich meinen GöGa wiedergefunden hatte, war auch wieder Bargeld in der Nähe... und nochmal ab in den Werksverkauf. Mein armer Mann wurde ziemlich gerupft, aber es ist ja für einen guten Zweck. Für ganz kleines Geld hat sich mein Fundus an Näh-Kram nun immens erweitert.

Die Dame an der Kasse kannte mich noch: "Sie sagten doch, Sie haben nur 4 Euro!" Hüstel. "Ja, bevor ich meinen Mann wiedergefunden hatte". Aber dem netten Herrn neben ihr konnte ich dann stolz mein gepimptes Filzdings präsentieren. Für Einkauf und fleissiges Pimpen bekam ich nochmal Satinband (ich hab da schon so eine Idee was ich damit machen kann) und ein Leporello, und als ich dann erzählte, dass ich den supergenialen Prym-Schlüsselanhänger (dazu später mehr) zu meiner Deutschlandfarben-Sammlung hinzufüge, bekam ich noch Nähnadeln mit vergoldeter Öse. Und weil Erik die ganze Zeit kreuzbrav neben mir gestanden hatte, bekam er einen hübschen Stern zum Aufbügeln auf die Jeans.

Ich habe dann nochmal gefragt, ob es nochmal einen solch wunderbaren Tag der offenen Tür geben würde, für den wir immerhin aus Solingen eine Stunde über die Autobahn gefahren sind. Der nette Herr schien es selbst sehr zu bedauern, dass dies die erste und wohl einzige Veranstaltung dieser Art bleiben würde. Ich hoffe nun sehr auf das Jahr 2030, denn dann feiert Prym sein 500(!)-jähriges Bestehen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

So, was ich bisher erzählt habe, war ein grober Abriss unseres Besuches bei Prym. Es gibt ja noch so viel mehr zu erzählen. Ich weiß, dass es manchen viel zu viel wird, was ich immer so an Schriftlichem produziere. Ich denke aber, dann muss man es ja nicht alles lesen. Wer Spaß daran hat, oder vielleicht nicht selbst zu Prym kommen konnte, wird sich freuen...hoffe ich.

Alle Bilder kann man durch anklicken vergrößern!)

Denn neben den offiziellen Punkten dieses Tages kamen die persönlichen Begegnungen. Als Erste sieht man irgendwie immer Anne Liebler (DIE Hobbyschneiderin!). Diesmal war sie auch nicht zu übersehen: Sie trug wunderschöne Farben, Lila-Töne von oben bis unten. Als ich einen Blick auf ihren Rocksaum erhaschen konnte, war ich total begeistert: Unter dem Wollstoff (diese Farben!) lugte ein kleiner Lila Volant vorwitzig hervor! Ich fand diese Idee so toll, und sie hat mir auch netterweise erklärt, wie er zustande kommt. Sie hatte kurzerhand an den Futterrock diesen zusätzlichen Volant genäht. Clever. Ich habe etwas Ähnliches vorgehabt für den Besuch bei Prym, es aber wieder verworfen. Ich Dussel.

Da ich Anne später in freier Wildbahn wiedersah, musste sie für ein Foto stillhalten. Leider sieht man auf dem ersten Bild nicht den Volant, der versteckt sich. Aber das Gesamt-Outfit ist so schön.

Und den Volant habe ich dann noch extra geknipst. Aber er wirkt auf dem Foto nicht so schön wie in Wirklichkeit. Der Rock lag mehr an und der Volant rüschte darunter hervor, als optische Trennung kam ein Satinband zum Einsatz. Muss ich mir merken (und bei Gelegenheit nachmachen)

 

Das nächste Schätzchen saß gleich gegenüber: "Ennertblume" Christa aus dem Forum der Hobbyschneiderin. Ich kenne sie nur kurz, aber dafür um so heftiger. Ich glaube, wir sind uns recht ähnlich, aber sie hat alles was mir fehlt. Oder so. Zum Beispiel einen Job bei Prym ;-)

Und den macht sie anscheinend gern. Sie hat Samstag und Sonntag geklebt, was sich kleben lässt. Ich habe sogar was gelernt, Danke Christa. Und Ideen geklaut, natürlich nur mit den Augen...

Zum Beispiel die tolle Idee mit der Zipfeljacke. Und wie cool es aussieht, wenn man die Zipfel mit den Prym-Ansteckern (die jeder Besucher gratis mitnehmen durfte) vollpappt. Diese Christa.... aber ich hab es mir verkniffen, sie zu fragen, wie sie diese tollen Patch-Effekte auf der Jacke gemacht hat. Sie hätte nur Oberwasser bekommen, und gesehen, dass ich null Ahnung von diesem ganzen Klebezeugs habe. Diese Blöße kann ich mir doch nicht geben!

Anne und Christa arbeiteten in der "Ideenwerkstatt" von Prym, wo noch weitere Kreative darauf warteten, den Besuchern den neusten Input zu geben. Teilweise wurde es dort recht voll, das Foto stammt aus einer der ruhigeren Phasen! In der Mitte wurden die mitgebrachten Jeans "gepimpt". (aufs Bild klicken)

 

Wie das aus der Nähe aussah, wer in der Ideenwerkstatt noch so alles zugegen war und was es in der Modenschau zu sehen gab, das erzähle ich euch morgen.




Geschrieben von babbelgum61 um 23:20 Uhr in Fashion
   

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