Dienstag, 5. Dezember 2006
Das war Prym-a!
Weiter geht´s mit dem Bericht vom "Tag der offenen Tür" bei der Firma Prym in Stolberg. (Im Forum der Hobbyschneiderin findet ihr weitere Bilder und Informationen dazu.) Ich habe zwar gestern bereits viele persönliche Eindrücke und allgemeine Informationen gegeben, aber es gab noch so viel mehr. (alle Bilder kann man zum Vergrößern anklicken!)
So trafen die Besucher bei Prym in der Ideenwerkstatt neben Anne Liebler und "Ennertblume" Christa auch auf Angela Gilbes-Nowiki und Jeannette Knake. Erstere kenne ich nun bereits von drei Gelegenheiten, auf denen ich jedes Mal von ihren sprühenden Ideen profitieren konnte. Zur Zeit ist sie in Sachen Chenilletechnik unterwegs, und jedes Mal zeigt sie neue Ideen und Details. Was ich diesmal bei Prym von ihr lernen konnte, werde ich baldmöglichst einmal umsetzen, und dann natürlich hier zeigen und erklären. Gut für alle, die es verpasst haben. Dennoch kann mein "Nachmachen" nicht mit dem Original mithalten, denn ein Blick auf ihre Auslagen startet jedes Mal mein inneres Kino und die Denkmaschine kommt schwer ans Rattern. Bestimmt kennen viele von euch sie bereits, dann wisst ihr was ich meine.
Jeanette Knake ist ja ebenfalls allseits bekannt, ist die Mutter des "Turbo-Filzers" und als Buchautorin von Crazy-Patchwork erfolgreich. Fotos von ihrer immer eleganten und kreativen Erscheinung muss ich im Blog ganz nach hinten schieben, denn sie moderierte die Modenschau und davon habe ich massig Bilder. Und das Beste gibt es ja immer zum Schluß. :-D Gezeigt hat sie in Stolberg kreative Anwendungsmöglichkeiten von Applikationen aus dem Hause Prym, was sonst? Ich muss zu meiner Schande gestehen... ich hatte keine Ahnung, was Prym so alles herstellt...bis Sonntag.
Von Natur aus bin ich kein Freund von Glanz und Gloria, Glitzer ist was für Teenager. Dachte ich. Seit ich Jeanette Knake gesehen habe, bin ich geradezu Glitzersüchtig. Was ich immer schon auf selbstgemachten Grußkarten geliebt habe, muss nun alle meine Outfits zieren, erst gestern habe ich mir Straßschmuck zugelegt. Frau Knake glitzert, was das Zeug hält. Und es sah toll aus! Ich habe Prym-Glitzerkram gekauft, ich konnte nicht anders. Im Werksverkauf gab es davon ja eine Menge zum Schnäppchenpreis- zum Glück.
Doch zurück in die Ideenwerkstatt. Zwischen Anne, Christa, Angela und Jeanette wurden, wie bereits berichtet, mitgebrachte Jeans gepimpt. Aber neben Werksverkauf und Ideenwerkstatt gab es ja noch viel mehr: Prym hatte eigens für diesen Tag zwei riesige Zelte aufgebaut, in denen sich weitere Firmen, Vereine, eine Prym-Ausstellung sowie Bühne, Catering und eine Bahn für Bogenschützen fand. Auf der Bühne wechselten sich Darbietungen mit Modenschauen ab. Erst aus dem Forum der Hobbyschneiderin (siehe oben) habe ich erfahren, dass bei den meisten Ständen mit Vorführungen und Aktionen, sowie beim Bühnenprogramm (Gesangsdarbietungen etc) immer Prym-Mitarbeiter mit von der Partie waren. Dies stellt die ganze Veranstaltung nochmals in ein anderes, ein noch besseres Licht. Mehr und mehr gewinne ich den Eindruck, dass bei Prym das Augenmerk mehr auf dem "Mit" als auf dem "arbeiter" liegt. Man wünscht sich fast, dort arbeiten zu dürfen :-)
Im ersten Zelt konnten die Besucher ihre Kinder bespaßen lassen. Gut... Kinderschminken haben erprobte Mütter schon oft gesehen, aber da Kinder ja stetig nachwachsen, ist es für diese meist neu und immer wieder ein großer Spaß.
Ein Prym-Mitarbeiter hatte eine sehenswerte Ausstellung mit Modellbauflugzeugen (rechts) auf die Beine gestellt. (wieder für gross anklicken). Da ich mit einem solchen Angebot nicht gerechnet hatte, war mein Mann als Flugzeugfan um so erfreuter, sich diese Flieger ansehen zu können. Kein Foto habe ich von den Modellschiffen. Aber wer dort war, hat diese gewiss auch bewundert.
Ein anderer Prym-Mann lud alle großen und auch kleinen Gäste ein, mit ihm eine Partie Schach zu spielen.
Ich staunte nicht schlecht, als dieser Knirps sich zu dem alten Hasen an den Tisch setzte. Sein Vater (von dem Knirps, den Vater des Herrn links habe ich nirgendwo gesehen) versicherte mir, der Junior wäre durchaus in der Lage, mit den Schachfiguren umzugehen. Ihr mögt mir verzeihen, dass ich für meinen Bericht den Ausgang der Partie nicht abgewartet habe.... es gab noch so viel zu sehen.
Denn gleich um die Ecke wurden Drachen gebastelt. Und dort fand ich nach einem Plausch in der Ideenwerkstatt auch meine Familie wieder. Erik hatte einen Drachen in Arbeit, und Papa half dabei.
Mein Sohn war selig, und hat den Drachen nach der Fertigstellung auch ausgiebig auf dem weitläufigen Werksgelände bei besten Drachenflugwetter (Wind) getestet. Da die Drachen aus Tyvek-Folie gebastelt wurden, sind sie quasi unkaputtbar. Die Ösen für die Zugleinen wurden bestimmt mit Prym gemacht, was auch sonst?
Im gleichen Zelt fanden sich zahlreiche Exponate aus der langjährigen Firmengeschichte. Damit ihr euch das Ganze besser vorstellen könnt, hier ein Überblick über das Zelt.
Prym gibt es ja nun seit bald 500 Jahren, was an sich schon beeindruckend ist. Aber erst zu Beginn des 20ten Jahrhunderts wurde der "S-Feder" Druckknopf erfunden, der die Druckknopfnutzung revolutionierte. Zuvor traten bei dauerhafter Benutzung eines Druckknopfes schnell Materialermüdungen auf. Eigentlich logisch: Hat man ein Köpfchen und ein Loch, in das Selbiges immer und immer wieder gedrückt wird, leiert das halt schnell aus. Mit dieser S-Feder schliesst und öffnet der Knopf immer und immer wieder tadellos. Man ist heutzutage vom modernen Druckknopf recht verwöhnt, und vergisst schnell, das es ihn noch nicht so lange gibt. Menschheitsgeschichtlich betrachtet, meine ich.
Besonders gut gefiel mir dieses Ausstellungsstück links im Bild. Ja, auch das wird groß wenn ihr drauf klickt ;-)
Es stellt Gamaschen dar, aber nix altes, historisches... wenn ich mich recht erinnere, stammen diese aus dem Jahr 2003. In diesem Moment habe ich meine Wünsche für neue Winterstiefel gecancelt- ich mache mir lieber Gamaschen! :-)
Doch die Ausstellung war auch eine kleine Zeitreise. Eine lustige Anwendungsidee für Druckknöpfe stammte aus den 60er Jahren. Meine Papier-Anziehpuppen hatten das nicht, was ich im Nachhinein bedaure. Bei dem ausgestellten Musterbogen konnte man die Einzelteile der Puppen vermittels Knöpfchen verbinden. Da muss man erst einmal drauf kommen!
Weiter zurück in die Zeit ging es mit Produkten und Werbeanzeigen. Nicht nur sehenswert für Nostalgiker!
Nur gut, dass die meisten Sachen in Vitrinen standen: Ich hätte sie glatt klauen können :-D (die Dose rechts unbedingt mal in der großen Version gucken, anklicken)
Und ich wusste gar nicht, dass Prym Fingerhüte gemacht hat... als Fan von strukturierten Bildinhalten (Muster) habe ich dieses Ausstellungsstück ausgiebig fotografiert, bis ich endlich eines fast ohne Spiegelungen zustande gebracht hatte (wer rechnet schon damit, dass er in einer Fabrik einen Polfilter braucht?):
Nachdem ich das Zelt ausgiebig in Augenschein genommen hatte, suchte ich den Startpunkt der ersten Führung (von drei), was einige Zeit in Anspruch nahm, da das Gelände riesig ist (und ich auf High Heels unterwegs war :-D ) Dort standen schon eine Menge Menschen und es wurden immer mehr.
Bei der Gelegenheit konnte ich mich umsehen. Und weil ich auch dort, wo eigentlich nichts ist, immer etwas sehe, sah ich das hier (links). Na, was ist das? (klick für gross)
Na? Wer hat es erkannt? Genau! Druckknopf-Einzelteile, beim Verladen runtergefallen und mit der Zeit in den Asphalt eingearbeitet. Ein anwesender Prym-Mitarbeiter meinte, das hätte er noch nie bemerkt. Tja, da muss erst ein Betriebs-Neuling kommen. Ich finde ja, es sieht ein bisschen wie ein Sternbild aus..... Sogar runtergefallene Druckknöpfe können romantisch sein, gell?
Als unser Prym-Führer kam, mussten wir uns in einen Lastaufzug drängen, der fast 60 Personen fasste, und bis an die Grenze beladen wurde. Da im gesamten Werk fotografieren nicht erlaubt war, kann ich euch nichts zeigen. Aber in gewisser Weise ähneln sich alle Fabriken ein wenig: Viele Maschinen, viel Lärm und viele Kisten. Unsere erste Station erinnerte mich an meine Studentenzeit: Als Wochenend-Malocher bei Wilkinson musste ich ganz ähnliche Rüttler bedienen.
Aber auch wenn man null Ahnung hatte, was man da vor sich hat: Prym hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben, es dem Ahnungslosen leicht zu machen: Unser Werksführer erzählte vor jeder Station alles Wissenwerte, alle Maschinen waren mit weiteren Mitarbeitern besetzt (die Lehrlinge waren sehenswert, Mädels ;-) ) und neben vielen Maschinen standen Schautafeln mit weiteren Erläuterungen oder Tische mit Musterstücken. Absolut perfekt vorbereitet!
Ich kann hier nicht alles wiedergeben, was ich in dieser einen Stunde gelernt habe. Und warum schnöde, olle Maschinen so unglaublich interessant sein können. Man muss es einfach gesehen haben!
Oh, einmal durfte ich doch knipsen, ich habe unseren Prym-Mann gefragt. Im Bereich der Stanzmaschinen, wo Einzelteile für die Druckknöpfe in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit aus den Metallplatten ausgestanzt wurden, fand ich einen weiteren optischen Leckerbissen.
Jetzt dürft ihr nochmal raten (und klicken): Was könnte das wohl sein? Mist, ich habe es ja schon verraten, es hat mit Stanzen zu tun. Diese schillernden Goldnuggets sind schlicht und ergreifend der Abfall, der beim Stanzen entsteht. In endlosen Bändern kommt er aus der Maschine und wird nochmal zerhackt, damit er besser entsorgt werden kann (wobei das Metall weiter verwendet wird).
An einer weiteren Station zeigte uns unser Führer Andreas Utecht dann etwas Besonderes: Eine Maschine für Kunststoffteile ohne Abfall. "Ja, was soll denn daran so Besonderes sein?"... haben wir bestimmt alle gedacht. Bis ich sah, wie Herr Utecht die Maschine stolz einem älteren Herrn zeigte. Ich vermute, es handelte sich um einen Pensionär der Firma, denn er sagte, eine solche Maschine kenne er nicht. Utecht betonte die abfallfreie Herstellung der Teile. Die Maschine sei wohl sehr teuer, was sich aber bei hoher Stückzahl amortisiert. Ich hoffe, ich verrate jetzt keine Firmengeheimnisse, aber erst dann fand ich die Maschine recht erstaunlich...wenn ein Firmeninterner vor einem Altgedienten ins Schwärmen gerät!
Weiter hinten in derselben Halle sah man auch, was "Abfall" bei Plastikteilen bedeutet: Bei der Formenerstellung werden- ähnlich wie beim Zinngießen- Gußkanäle ebenfalls mit Material gefüllt, welches dann später entfernt und entsorgt werden muss. Sprich: Materialverschwendung und Müllerzeugung. Um so besser zu wissen, dass Prym dies mit neuer Technologie zu verhindern sucht.
Leider, leider habe ich nur eine der drei Führungen geschafft. Ich hoffe SEHR auf eine baldige Wiederholung dieses "Tages der offenen Tür" bei Prym. Dann stehe ich noch früher auf, stehe als Erste auf der Matte und renne zur ersten Führung. Dann zur Zweiten... und zur Dritten. Bloß nix mehr verpassen, denn es war einfach zu interessant.
Bevor euch nun die Augen zufallen vom vielen Lesen mache ich mal eine Pause. Was ich mir alles gekauft habe, wie die tolle Modenschau gelaufen ist, was der Bürgermeister von Stolberg mit Herrn Prym ausgemacht hat, und wie schön man Klamotten mit Prym aufrüschen kann... das alles erzähle ich euch morgen.












