Donnerstag, 14. Dezember 2006
BB-Lagenlook
« Editorial und Scrapbook | Hauptseite | Schöne Bescherung »Hallo alle miteinander!
Ich freue mich immer wieder zu sehen, wer hier alles landet. Der letzte Eintrag war mir ein wenig unbehaglich, da er sehr persönlich und dennoch so wenig konkret ist. Dennoch hat Katrin in meinem unendlichen Geschreibsel noch eine kleine, aber feine Information gefunden, die sie mit einem Verweis auf ihr eigenes Werk kommentiert hat. In Katrin´s Blog (hier der Link zu Katrin´s Mart Visser Kleid) habe ich nun meinerseits gestöbert, und muss es in meine RSS-Feeds aufnehmen, wenn ich herausgefunden habe, wie man das mit den blogspot-blogs tun kann. Dann entgeht mir nix mehr, was Katrin schreibt. :-D
Mein Mart Visser Kleid ist zwar fix und fertig, passt aber nicht wie gewünscht, muss noch geändert werden (was kein Problem ist) aber zum kompletten Outfit fehlt noch die Jacke, die ich nun als Fleißarbeit ansehe und solche Sachen liegen bei mir ewig rum. Mal sehen, wann ich die Jacke in Angriff nehme. 13 Schnittteile, mal 2, plus alles in Futter, macht 52 Teile. Das Kleid hatte "nur" 9, mal 2, plus Futter, argh. Und am Ende kommt ein winziger Fummel dabei raus, der nicht mal passt. Nachdem ich ein paarmal drüber geschlafen habe, ärgere ich mich nun weniger. Und ich hab´ schon Abwandlungen probiert, die mir gut gefallen haben. Bericht kommt noch.
Heute arbeite ich eine olle Kamelle auf, ca. 2 Wochen alt. Vor lauter Prym ist mein- nicht vorhandener Zeitplan- etwas ins Schwanken geraten. Und bei Prym greife ich auch gleich den Faden wieder auf:
Für meinen Besuch bei Prym wollte ich mir was nähen, was mir schon lange im Kopf rumspukt. Die Grundidee für meinen BB-Lagenlook kam aus zwei Richtungen. Bitte verzeiht, wenn ich auch hier wieder weit aushole, aber mir ist es wichtig, den "Werdegang" zu erläutern. Nichts kommt aus dem Nichts, nicht mal Chanel und Lagerfeld ;-)
Zum einen hatte ich ja mein Mittelalter-Kleid in Grün gemacht, wobei mir Stoff fehlte und ich- aus der Not geboren- den Saum vorne deutlich kürzer als hinten gearbeitet habe, was einen sehr schönen Schleppen-Effekt ergab. Und: Man kann einen langen Rock unter das Kleid anziehen, und somit einen tollen Lagen-Look a la Mittelalter erzeugen. Um das nochmal zu verdeutlichen, habe ich ein neues Bild vom Grünen gemacht:
Wie ihr seht, schaut unten der untere Rock heraus. Leider gibt meine Dekopuppe das nicht besonders schön wieder, denn ihr fehlen die Beine, die bei mir den Rock ausfüllen. So hängt das Ganze nach unten recht traurig runter. Stellt euch vor, wie gut ich es "ausfülle", hehe.
Seit der Sommer vorrüber ist, gab es keine Außenaufnahmen mehr mit meinen Klamotten. Wenn ich hier vor die Tür trete, stehe ich statt auf Rasen nur auf Matsch, also warte ich den Frühling ab, bevor es wieder anständige Klamottenfotos gibt. Bis dahin nur Puppe und Spiegel, schnüff.
Ein Wort zur Puppe: Ich habe schon öfter gehört, dass Besucher meines Blogs die antike Schneiderpuppe schön finden.
Ist sie auch, aber sie hat absolut unmögliche Maße. Der Busen sitzt an meinem Schlüsselbein, die Taille kann ich beinahe mit zwei Händen umfassen (bei meiner Taille braucht mein Mann beide Arme ;-) ) und der Pöppes ist...nun ja.... in etwa wie meiner, und spannt oft.
Darum ist das Knipsen an meiner Puppe eine kniffelige Angelegenheit. Ich muss jedes Mal tricksen, um die Klamotten halbwegs aufzudrapieren.
Um das einmal zu verdeutlichen, habe ich ein Foto gemacht, was man normalerweise nicht zu sehen bekäme: Die Puppe beim Ankleiden.
Wie ihr seht, habe ich für ein Foto meines neusten Röckchens die Puppe auspolstern müssen. Ihr seht, welche Hohlräume entstehen.
Falls meine Tante hier mitliest, die eine alte Schneiderpuppe mit "normalen" Maßen im Kämmerlein stehen hat: Nun siehst Du hoffentlich, dass meine alte Puppe zwar hübsch, aber zum Schneidern völlig ungeeignet ist. Jede Puppe- selbst eine aus Styropor- wäre besser geeignet. Ich brauche Deine Puppe! Bittebittebitte!
Gut, zurück zum Lagenlook. Dieser mittelalterliche Stil "vorne kurz, hinten lang" ist ja nun nix Neues. Ich sehe ihn oft bei Larp-Schneidern. Allerdings bezweifle ich stark, ob diese kurzen Säume im vorderen Bereich authentisch sind... Ich würde sagen: auf keinen Fall. Aber es sieht für unsere heutigen Geschmäcker mittelalterlich aus, und das reicht Larpern. Für mich ist es eine wunderschöne Idee für meine eigene Mode, Authentizität ist da ja außen vor.
Nachdem der erste Schritt zum kurzen Saum und einer zweiten Lage darunter getan war, fielen mir Rockschnitte ins Auge, bei denen in etwa halber Höhe ein angesetztes Rockteil für eine schöne Weite um die Beine sorgt. Ein gutes Beispiel für einen solchen Schnitt seht ihr hier, von Burda:
Dabei kam mir der Gedanke "Warum nicht einen solchen Rock durch 2 teilen?" Und einen engen, kurzen Rock als obere Lage, sowie einen zweiten, weiten, als untere. Der Vorteil wäre, dass man die obere "Lage", also den graden, kurzen Rock, auch solo tragen kann. Das "Darunter" wäre ebenso einzeln zu verwenden, als weiter Rock. Klar, man muss dann zwei Röcke nähen, bekommt aber im Prinzip durch die Kombinierbarkeit drei. Schlau, was? Und man kann Stoffe kombinieren, welche Möglichkeiten eröffnen sich da.... (ich hoffe sehr, das ist jetzt kein alter Hut, dann habt ihr was zu lachen :-( )
Wer das jetzt komisch findet, 2 Röcke übereinander zu tragen: Ich hätte mich das vor Jahren auch nicht getraut, aber seit die jungen Mädels Miniröcke über HOSEN tragen, kann man doch alles machen, finde ich. Oder was?
Als ich mir neulich meine Jacke mit dem schönen Paisley-Polster-Stoff (das ist KEIN Polsterstoff, sieht aber so aus) genäht hatte, und noch ausreichend Stoff für ein kurzes Röckchen (und eine noch zu nähende Tasche) übrig blieb, hab ich mir aus einer 2005er Burda einen schönen Rockschnitt ausgesucht. Den habe ich natürlich verändert, sonst wär´s langweilig. Aus der Passe aus 2 Schnittteilen wurde eine einteilige Passe mit Abnähern, die ich zum Stoffsparen quer zugeschnitten habe (siehe 2tes Foto oben) und der Saum wurde stark verkürzt. Der Rock sitzt super, den Schnitt hebe ich auf für weitere Röcke. Beachtet auch den Rocksaum (Bild unten): Da ich die vordere Kante der Jacke "offen" verarbeitet hatte (siehe Blogbeitrag "Offene Kanten") musste der Rock auch sowas haben. Beim Rock habe ich das Ganze noch ausgeweitet, und einen deutlich breiteren offenen Saum gemacht. Fast schon zu breit für meinen Geschmack, aber sowas sieht man ja erst wenn man es einmal ausprobiert hat, gell?
In Stolberg bei Prym traf ich Anne Liebler, die einen sehr hübschen Rock mit einer ähnlichen Idee trug: Sie hatte einen Volant, der unter dem unteren Saum hervorschaute, einfach an den Futterrock genäht, sehr clever! Das ist zwar eine ganz andere Schnitt-Lösungen, aber das Prinzip "2 Röcke übereinander" ähnelt sich. Ich sagte auch zu Anne, ich hätte was ganz Ähnliches gemacht, aber ich denke nicht, dass sie es registriert hat.
Nun, mein neuer Minirock sollte wie gesagt die obere Lage bilden. Als untere Lage hatte ich mir einen Sommerrock ausgesucht, den ich schon 2005 bei Otto gekauft hatte. Da ich erst seit Anfang 2006 wieder nähe, ärgere ich mich ein bisserl, denn der Rock ist zwar sehr hübsch, aber die Stoffqualität eher bescheiden. Was soll´s, ich habe ihn dann drunter angezogen. Und fand es scheußlich.
Man stelle sich vor: Es ist kurz vor der geplanten Abfahrt zu Prym, und mein geplantes Outfit sieht totaaal doof aus. Nach einer kurzen Panikattacke "Was ziehe ich jetzt an?" habe ich mir was Altes übergeschmissen und mit der neuen Jacke kombiniert, der Minirock nebst Otto-Fummel blieb zu Hause.
Ich denke, so wie ich mir das gedacht hatte, ziehe ich das niemals an! Aber ich habe wertvolle Erkenntnisse aus diesem Design-Versuch gezogen, denn ich finde, der Stoff der oberen Lage (Paisley) passt nun mal stilistisch nicht zu der Spitzenstoff der unteren. Too much, würde ich sagen. Zu viel Romantik, zu süßlich. Und die offene Kante ist zu puschelig, und bildet einen eigenartigen Kontrast zum unteren Rock. Also muss ich erst einmal eine neue untere Lage entwerfen und nähen, bevor ich mich damit auf die Straße traue. Eventuell auch die offene Kante kürzen, mal sehen.
Lange Rede, wenig Sinn: Ich habe trotzdem ein Foto von meinem BB-Lagenlook gemacht, damit ihr was draus lernen könnt: So nicht.
er schlechte Sitze der Jacke liegt an der Puppe, nicht an meinen bescheidenen Schneiderkünsten)

PS: Bei Prym hab ich neben meiner Filz-Schachtel auch gleich meine Paisley-Jacke gepimpt. Mit Broschen. Die Blumenbrosche hat einen Euro gekostet... Ääätsch! Und der "Druckknopf" ist ein Anstecker als Giveaway von Prym an alle Besucher des Wochenendes. Bei Ennertblume hab ich den Anstecker nochmal gepimpt, mit ein paar Bastelresten, die bei ihr rumlagen.

Ja, da haste Recht, Baerbel, das mit dem Minirock is nuescht! Schade, da helfen nur leggins (autsch... nicht hauen!)
ihr könnt sagen was ihr wollt ich finds toll :-)
ich würd es so tragen aber ich bin da wohl sehr bekloppt ^^
*lol* ihr seid lustisch. Leggins in pastellrosa? Da muss ich mal ganz ganz ganz lange drüber nachdenken ;-)
Leggins sind eh der Hit, hätte ich die in den 80ern doch alle aufgehoben. Irgendwo liegt noch eine alte Carina rum, mit einem Schnitt *renn und such*
Bärbel
PS: Die Sache mit diesem Lagenlook aus Mini und weitem langem Rock ist aber nicht ad acta gelegt!
Ich würde ja eher sagen, der Minirock ist okay, nur die Rüschen passen nicht... vielleicht ein anderer längerer Rock? weniger Spitze...? Hm. Mal nachdenken...
Ich plädiere auch für leggings, allerdings in schokobraun (passend zum Gürtel) und nicht zu lang. Das macht dann auch schlanke Beine, oder?
Wenn schon lang unter kurz, dann würde ich einen weniger auffallenden Stoff nehmen. Dieser Lagenlook wäre dann schon Hingucker genug. Ob das Ganze dann allerdings nicht zu sehr nach "herabgerutschte Passe" ausschaut, kommt wohl auf die Kürze des Minis an.
Bei den Burdaschnitten ist es interessant gelöst, richtig filmreife Teile ( Arielle, mondänes Moulin Rouge ) könnten da entstehen.
Deine Jacke ist übrigens wunderschön!
Grüße von griselda
Nochmal vielen Dank für Lob, Ideen und Kritik. Momentan komme ich nicht dazu, eure Blogs gegenzulesen, ich hoffe das wird nach Weihnachten besser. Und neue Klamotten schaffe ich auch nicht, heul. Ich wollte so viele Weihnachtskarten machen, aber die Wohnung und zu planende Festessen gehen vor. Heute war Großeinkauf mit Mami, meiner steht mir noch bevor.
Hallo Bärbel,
woher ist diese antike Schneiderpuppe? Ich benötige dringend eine in Gr. 40 für das Nähen von historischer Kleidung des 18. Jahrhunderts. Eivlys bitte at um Info an t-online in de. Herzlichen Dank. Quendy












lach*
du nudel, wo nimmst du nur immer die zeit her für alles? und nochdazu immer so schöne ausführliche berichte mit foddos g*
wann ziehst es an?