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Dienstag, 1. April 2008

Wunschbrunnen

Oft spreche ich mit netten Menschen über das bloggen. Ich wünschte, einige Freunde würden es tun, damit ich auf dem laufenden bleibe. Auf der anderen Seite kann ich froh sein, dass sie es nicht tun, denn ich komme schon lange nicht mehr dazu, Blogs ausserhalb unserer kleinen Burda-Welt regelmäßig zu lesen.

Manchmal aber bekomme ich auch die Antwort "Aber was soll ich denn schreiben?" Dann ist diese Person der Meinung, ihr Leben wäre bei weitem nicht interessant genug, um schriftlich festgehalten zu werden. Ach Quatsch! Jede(r) wird einen lieben Menschen kennen, der gern mal etwas von ihm oder ihr lesen würde. Und sei es, um zu erfahren, warum in China der Sack Reis umgefallen ist. Ich mach doch auch nichts anderes. Mein Alltag erscheint mir völlig durchschnittlich, aber ich weiss, ich sehe auch die Kleinigkeiten, die anderen entgehen.

Wie zum Beispiel die Farbschattierungen im Laub der Bäume und Pflanzen. Vor Jahren- wir hatten einen kleinen Hund- bin ich mit meinem Köter Gassi gegangen. Die Sonne spielte in den Blättern der Pflanzen rechts und links vom Weg. Ich kann das Bild heute noch sehen, obwohl es ja an sich gar nichts Besonderes an sich hatte. Warum? Nun, ich sah ein dunkles Grün, ein helles, ein gelbliches und so weiter. Tage später traf ich einen Freund der Familie, der Bücher schreibt. Ihm erzählte ich von diesen wunderschönen Grüntönen am Wagensrand. Da sagte er etwas, was ich seitdem nie mehr vergessen habe: "Du siehst so viele Dinge, die andere nicht sehen". 

Einfach, aber wahr. Ein anderes Beispiel: Regenwetter. Stellt euch vor, ihr seid im Urlaub. In einer Ferienwohnung. Noch 3 Wochen Urlaub. Es regnet. Das ist zwar ärgerlich, aber da man ja Urlaub hat, kann man die schöne Freizeit trotzdem angenehm gestalten. Man geht ins Museum, spielt mit der Familie Brettspiele, schaut sich eine Schnulze im TV an. Mit Ruhe. Entspannt. Oder es ist ein warmer Tag, dann zieht man den Regenmantel an und geht trotzdem spazieren, denn man will ja den Urlaubstag nicht verschwenden. Ich hatte auch an den Regentagen im Urlaub ein gutes Gefühl, Urlaub halt. Irgendwann ging ich dann zu Hause in den Regen hinaus, und da war es wieder: Dieses Urlaubsfeeling. Und ich dachte so bei mir: "Wieso ist der Regen im Urlaub eigentlich schöner als an einem normalen Tag?" Es kommt doch nur auf die innere Einstellung an. Es gibt kein schlechtes Wetter, wenn man eine positive Einstellung dazu hat. Seitdem ist für mich jeder Tag ein kleines bisschen wie ein Urlaubstag. Auch wenn es regnet. Und in Urlaub gefahren bin ich schon lange nicht mehr. Wozu auch?

Gut, ich sehe Dinge die andere übersehen. Aber das kann doch jeder! Ihr findet, ihr habt nichts zu erzählen? Wie sieht euer Garten /eure Strasse/ Eure Stadt aus? Gibt es dort etwas, das einmalig ist, oder anregend, oder lustig? Wir haben zum Beispiel einen Bewohner in unserem Städtchen, den die meisten "Den Verrückten" nennen. Er trägt ausser einer Shorts und Sandalen nichts am Leib. Aus Überzeugung. Es ist jedes Mal ein Schock, ihn durch die Stadt gehen zu sehen, vor allem im Winter. Ich ziehe 3 Jacken übereinander an und friere immer noch, und dieser Typ erdreistet sich, nur mit einer dünnen Stoffhose, noch dazu arg kurz, im Freien herumzulaufen. Aber ich bin froh, dass es ihn gibt und ich habe allerhöchsten Respekt vor seiner gelebten Überzeugung. Er sagt, er benötigt keine Kleidung. So einfach ist das.

Unsereiner denkt tagelang an nichts anderes, als daran was man beim nächsten wichtigen Date anziehen soll. Unfug. Jedes Mal wenn ich "den Verrückten" sehe, muss ich über mich selbst lachen und sehe, wie unsinnig all die Gedanken über Mode und Trends sind. Und noch ein angenehmer Effekt des Verrückten: Wenn DER SO rumlaufen kann, dann fühle ich mich gleich viel normaler, wenn ich von Kopf bis Fuß in gehäkeltem Zeug rumlaufe. Ich habe nun schon mehrmals erlebt, dass die Kleinstädter hinter meinem Rücken tuscheln und lachen. Aber wenn der Verrückte seine Überzeugung ausleben kann, dann kann ich das auch. Und meine Bastelideen am Körper herumtragen.

Also schaut euch doch mal um. Ist da nichts Bemerkenswertes? Doch, ganz bestimmt. Oder versucht doch einmal, ein euch wohlbekanntes Ding mit anderen Augen zu sehen. Und schreibt mir einen Kommentar, was es ist, damit ich das auch lesen kann! Am besten mit Link zu eurem Blog.

Was wollte ich eigentlich erzählen?

Ach ja, dass ich über die Osterfeiertage überhaupt keine Zeit zum mailen und bloggen hatte, sogar mein geliebtes Ravelry lag etwas brach. Gehäkelt habe ich trotzdem, das kann man auch wenn die Kinder alle beisammen sind, der Ehemann den ganzen Tag zu Hause ist und während die Kartoffeln kochen. Und ein bisschen gestrickt, weil es nicht anders ging.

Aber es ist so viel Zeug aufgelaufen, dass ich das nie und nimmer alles auf einmal zeigen und erklären kann. Darum will ich euch heute nur ein Häppchen anbieten, welches zwar als einzelnes Teil fertig ist, aber Bestandteil eines größeren Projektes ist: Der Kloppapierverstecker.

Dazu habe ich eine laaaange Geschichte, die ich aber auf ein andermal verschieben möchte. Fakt ist, dass ich eine Hülle für eine Rolle Klopapier haben wollte, die wie ein Brunnen aussieht. Ausgangspunkt war dann ein Strickmuster, welches wie eine Mauer ausschaut (ballband dishcloth) und welches ich in Häkeltechnik nachahmen wollte. Gehäkelt sieht es völlig anders aus, aber ich hoffe der Mauereffekt kommt trotzdem raus.

Ich habe die Hülle noch mit ein bisschen Schnickschnack verziert, und dann eine Anleitung zum Nacharbeiten geschrieben. Im Moment ist diese auf englisch, aber wenn jemand das Ding nachhäkeln will, kann ich diese Anleitung auch übersetzen. Allerdings ist es sehr simpel, das Ding nachzuhäkeln, auf dem Foto sieht man alle notwendigen Details. 

Hier also ein Klopapierverstecker, gehäkelt.

Der Wunschbrunnen:

 

 
Im Nachhinein finde ich die Häkelmaschen zu grob, ich muss das Ganze nochmal machen mit feinerem Garn. 

 

Technorati Tags:

Geschrieben von snowwhite um 09:03 Uhr in Häkeln
   

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