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Dienstag, 22. April 2008

peinlich peinlich

« kleiner Spaß | Hauptseite | Hechel Hechel »

Hattet ihr schon mal ein fertiggestelltes Teil, das ihr am liebsten niemand gezeigt hättet? Ich hab gleich zwei, seit Sonntag. Ich habe die vergangene Woche damit zugebracht, ein sehr hübsches Häkeltop aus der aktuellen Sabrina Spezial zu häkeln. Auch wenn die Fotos in diesem Heft nicht annähernd internationalen Standart erreichen, hatte ich mich schon beim ersten Blättern in einige der Oberteile verliebt.

Leider kann ich euch nicht das Original Modell zeigen, da der OZ-Verlag keine Heftinhalte auf der Website zeigt. Das Original war jedenfalls quietschgelb und saß an dem hübschen Model perfekt. Was ich seltsam fand, waren einige Unstimmigkeiten zwischen Produktfoto und Anleitung. Zum Beispiel soll man Vorder- und Rückteil von einer Seitennaht zur anderen Seitennaht arbeiten, auf dem Foto aber sah man deutlich, dass das Muster sich in der Mitte trifft, also von den Seiten zur Mitte gearbeitet wurde und dann zusammengenäht.

Also hab ich das auch gemacht, für das Rückenteil. Und es sah bei mir blöd aus, also hab ich das Vorderteil dann ohne Mittelnaht gehäkelt.

Was mir an dem Modell so gut gefiel, war der Halsausschnitt. Ich mag ja mittelalterliche Kleidungsformen, und diese Ausschnitt-Raffung entspricht den einfachen Unterhemden, "Chemisen" die während vieler Epochen als Unterkleidung, Nachthemd oder einfaches Hemd getragen wurden. In den 70er Jahren erlebte diese Form als Bauernbluse ein Comeback, und ich liebe sie heute noch. Die Ausschnittweite reguliert man mit einem durchgezogenen Band. Bei einem Häkeltop hatte ich das noch nie gesehen, auch wenn es keinen Grund gibt, so etwas nicht zu häkeln, gell?

Also hab ich mein Woll-Lager geplündert und ein ONline-Garn verwendet das eigentlich ein Top mit Rock werden sollte. Man kann nicht alles haben, nun wurde eine Bluse daraus. Was wirklich ulkig ist: Während ich so vor mich hinhäkelte, hatte ich immer wieder starke Deja Vu´s. Wo um Himmels willen hatte ich diese Farbkombination aus Lila, Flieder und weiss schon mal gesehen? Nach und nach tauchten dann Bilder vor meinem inneren Auge auf: Decke, Stola, Oma. 

Seit ich häkle, stolpere ich immer wieder über die sogenannten "Granny Squares", zu deutsch: Oma Quadrate. Diese werden von den Amis so genannt, weil zu Omas Zeiten die gehäkelten Flickendecken aus diesen Quadraten gemacht waren. Sie sind schnell gemacht und man kann sehr gut Reste damit verwerten. Ich musste lachen, als ich das erste Mal Granny Squares sah. Denn meine Oma hatte auch solch eine Decke. Mit Oma-Ecken. Irgendwie naheliegend.

Nun, als meine Oma vergangenes Jahr starb, habe ich ihren Haushalt entrümpelt. Und ich habe Unmengen Zeug aufgehoben, vom Spitzendeckchen über Töpfe und Pfannen bis hin zu alten Wäscheknöpfen, abgenutzt und schäbig. Aber bei einer Häkel-Decke konnte ich nicht anders, die musste in den Müll. Die Wolle war keine Wolle, sondern billigstes Plastikzeugs, ich ekle mich vor solchen Garnen. Darum habe ich diese Grannydecke weggeworfen. Und die Häkelstola, ebenfalls aus usseligem Polyester. Aber nun tut es mir leid, denn beides hatte genau das Farbschema meines jüngsten Häkelwerks.

Habe ich grade diese Farben zufällig ausgesucht? Ich wollte etwas ganz anderes damit häkeln, und erst durch das Oma-Muster fiel mir diese Ähnlichkeit mit Handarbeiten auf, die meine Oma seit Jahrzehnten auf dem Sofa liegen hatte. Merkwürdig, nicht? Erst werfe ich es weg, dann häkel ich es neu.

Nun, zurück zu meiner Häkelbluse. Die Ähnlichkeit mit den Granny Squares liegt einzig darin, dass beide mit Stäbchengruppen gehäkelt werden. Ein klassisches Granny Square wird mit 3er-Gruppen in Runden gehäkelt, die Bluse hat diese 3er-Gruppen in graden Reihen, kombiniert mit Stäbchenreihen. Ganz simpel, aber ein nettes Muster mit einem gefälligen Effekt.

Das zweites Element der Bluse, das mir ins Auge stach, waren die enganliegenden Ärmel. Ich mag zwei Arten von Ärmeln: Ganz weit, und ganz eng. Dazwischen ist langweilig. Also habe ich die Ärmel genau nach den Vorgaben gehäkelt, und die Länge nicht angepasst, denn laut Anleitung werden diese recht lang. Aber mir gefällt´s.

Was mir gar nicht gefällt, ist der Sitz des Machwerks. Ja ja, ich habe wieder ein paar Kilo zugenommen seit Weihnachten, aber mit der Bluse sehe ich noch runder aus. Komischerweise hatte ich diesen Effekt bei fast allen gestrickten und gehäkelten Klamotten der letzten Monate, irgendwas mache ich falsch. Ich muss mal den Rat meiner Freundin Aud einholen, denn so langsam verliere ich die Lust daran, Kleidung zu häkeln. Es dauert ewig, im Vergleich zum Nähen, und man kann nur sehr schwer anpassen. Beim Schneidern kann man ruckzuck Nähte weiter oder enger machen. Mach das mal bei einem schlecht sitzenden Pulli.

Ich überlege, ob ich meine Häkelbluse unter dem Busen zusammenraffe. Ich probiere das irgendwann mal aus. Bis dahin muss ich wieder ein paar Kilo abnehmen, nur leider hat man beim Häkeln so wenig sportliche Bewegung... und verbrennt so gut wie keine Kalorien. Außerdem "fällt" die Bluse nicht so schön, die Baumwoll/Polyacryl-Mischung des Garnes ist wider Erwarten recht steif, und beult überall aus.

Hier ein paar Bilder meiner gehäkelten 70er-Jahre-Bauernbluse. Auch wenn die an mir wie ein schlechter Scherz aussieht: Das Modell an sich aus der Sabrina ist sehr hübsch und ich würde es dennoch uneingeschränkt weiterempfehlen. Ich habe sogar für´s Foto eine passende Wand im Haus gefunden, kicher. Nur mit Selbstauslöser und Uraltkamera, das ist nicht so mein Ding.

 

 

Ach ja, und weil ich im Moment auch noch auf dem Mützentrip bin, habe ich gleich eine passende Mütze zum albernen Häkeltop gemacht:

 

 

Die Mütze von oben, schlechte Bildqualität aber man sieht wie sie gehäkelt ist:

 

 

Die Ärmel im Detail:

 

 

Und nochmal alles an meiner antiken Puppe, damit ich es besser knipsen konnte:

 


 

Na ja, ich hoffe der Fummel sieht etwas weniger peinlich aus, wenn meine 3 Kilos vom Fressen seit Weihnachten wieder weg sind, idealerweise die weiteren 10 Kilo der letzten 20 Jahre auch. Ich wünschte, ich könnte mal andere Versionen dieser Häkelbluse sehen.....

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Geschrieben von snowwhite um 09:16 Uhr in Häkeln

 

Kommentar: Petra am Tue, 22 Apr 12:57 Uhr

Hallo Bärbel,

ich finde das Teil nicht so schlecht wie du.
Hast du es schon einmal gewaschen, vielelicht fällt es dann besser?!

Liebe Grüße
Petra

Kommentar: Lucy am Tue, 22 Apr 14:52 Uhr

Beim Lesen habe ich auch weit Schlimmeres erwartet - das sieht doch gar nicht schlecht aus (und das sage ich, obwohl ich mich mit gehäkelter Kleidung bisher noch nicht so anfreunden konnte). Durch die Löcher wirkt es nicht so massiv und die Ärmel gefallen mir sehr.

lg
Lucy

Kommentar: Bärbel am Tue, 22 Apr 17:21 Uhr

Öhhh, immer wenn ich mir das Foto ansehen, graust es mich. Aber ich biege das noch hin. Waschen ist eine Idee, und ich nehme es am Sonntag mit zum Kölner Nähbrunch, um mir den Rat der Anderen zu holen.

Kommentar: lillicroche am Tue, 22 Apr 20:58 Uhr

Aber eins hast du! Humor!!!!!!!!!!!!

Kommentar: Coala am Tue, 22 Apr 22:35 Uhr

So schlecht sieht es auf dem Foto doch gar nicht aus, aber man muss sich ja selbst auch in den Teilen wohlfühlen. Ich drück Dir die Daumen, dass Du es noch hinbekommst!

Kommentar: Frieda am Fri, 25 Apr 07:46 Uhr

Was hast Du denn für Probleme, das Teil ist doch schön und super gearbeitet,auch ich habe solche Produktionen die ich nicht zeigen mag, obwohl sie mir gefallen, schließlich muß man es einfach selber mögen, nicht?

Lg, Frieda

Kommentar: phazelia am Fri, 25 Apr 21:45 Uhr

Also zuerst - ich glaube nicht an drei oder 10 Kilo zuviel...
Zur Passform von Häkelkleidung, darüber habe ich in lezter Zeit auch öfter nachgedacht:
Du vergleichst die Bluse selber mit einer Grannysquaredecke - und sie fällt halt auch wie eine Decke, also eher schwer. Das könnte ich mir gut für einen Poncho vorstellen oder für eine kastige Jacke ohne Verschluss, die also offen getragen wird.
Bisher habe ich folgende Möglichkeiten für Häkelkleidung gesehen: Ganz luftige Spitzenteile, die über "normaler" Stoffkleidung getragen wird (z.B. Lillicroches wunderbares Blütentop) - da wirkt die Häkelei leicht und das Basiskleidungsstück sorgt für die Form.
Oder ganz stark auf Figur gehäkelt wie z.B. der wedding gown sissy von fashionmartina.
Dass sich ein Häkelteil weich anschmiegt, elegant fällt und dabei blickdicht ist, habe ich eher selten gesehen, aber als beispiel: der Top down round yoke cardigan von milobo...
Ich habe mich noch nicht so intensiv mit Häkeln beschäftigt, aber ich denke, das Experimentieren mit Häkelkleidung ist ein wunderbares Feld, auf dem man noch viele Entdeckungen machen kann...!

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