Samstag, 30. August 2008
... das gute alte handgewebte Bauernleinen. Lange habe ich es nicht gewagt, da es für mich unersetzbar ist. Wenn man bedenkt wieviel Handwerk allein in so einem Stück Stoff steckt wird man ehrfürchtig. Solch ein Stück Stoff stellt heute niemand mehr her.
Da es übergroße Kissen mit handgesticktem Festonrändern waren, trennte ich diese Streifen sorgfältig so ab, so dass ich sie später noch verarbeitet kann. Vielleicht werden es Teile für eine Patchworkdecke? Dekoelemente an Kleidung? Geschenkbehälter für Menschen, die so was schätzen?
Den Stoff selbst wird ein handgenähtes Hemd für meinen Mann werden. Das Probehemd hatte ich schon hier besprochen. Nun habe ich wieder ein schönes Vorhaben um es abends bei Kerzenschein oder Lagerfeuer zu nähen.
< Zwischenzeitlich sind eine weitere unauthentische Mittelaltersachen mit der Maschine entstanden: eine Hose, ein Kleid zum Arbeiten. Man muß ja nicht übertreiben, gell? >
Mittwoch, 27. August 2008
... oder der Blick in den Spiegel.
Warum habe ich nur das Teil nach längerem Liegen repariert? Das Bourettseidenshirt hatte ich mal extra in einer Damenabteilung für Plusgrößen bestellt und fand es auch mal passend. Deshalb landete es ja auf dem Reparaturstapel - und nun?
Ich schaue mich an:
An der Oberweite passt es gut und fällt locker, aber sonst? der Saum 18 cm zu lang ... die Schulternaht ist 10 cm zu lang und somit überhaupt nicht annähernd bei der Armkugel ... der "Kurz-"arm geht knapp über das Ellenbogengelenk. Jetzt habe ich ein nobles T-shirt für die Hausarbeit, denn mit so was gehe ich nicht mehr auf die Straße.
Bin ich durch das Selbstnähen verwöhnt?! Selbst meine Probeshirts sitzt besser.
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DorosGedankensplitter um 11:36 Uhr in
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Montag, 25. August 2008
... abends wird es kalt und im Fundus liegen noch Wollstoffe, die eher ins Frühmittelalter zu Wikinger, Schotten, Kelten und Alamannen passen. Also mal schnell gestern eine Männertunika zugeschnitten und die Nähte mit der Maschine runter genäht. Danach alle Nahtzugaben nach einer Seite umgeklappt und mit mit der Hand mit Überwendlingsstichen versäubert und gleichzeitig in einer Art falschen Kappnaht fixiert. Am Ende den Halsausschnitt nach außen geklappt und eine Brettchenwebborte aufgenäht.

Ich hoffe es passt und gibt warm.
Trotz nasskaltem Wetter waren wir am Samstag auf der Burg. Wir bemühten uns einigermaßen mittelalterlich angezogen zu kommen. Immerhin bleiben mehr Fragen zur Herstellung authentischer Gewänder offen, als dass sie jemand beantworten kann. Dass Touristen in Jeans und Regenjäckchen frieren, da sie die Vorzüge von Wolle nicht kennen, das ist zu erwarten. Letztes Jahr holte man sich schließlich um die gleiche Zeit einen Sonnenbrand. Wer schon einmal dort war, weiß, dass unten der Handwerkermarkt ist und danach, auf halben Weg nach oben, der Wegzoll kassiert wird.
Wer aber denkt, nun würde es so richtig interessant, wird doch etwas enttäuscht. Okay Musik und Gaukler sind oben und auch die Toiletten (etwas arg eng für Leute mit Gewandung). Man findet Leute, die authentisch lagern und auch einen Wikinger mit authentischer Ware u.a. wunderbar pflanzen gefärbten Beinwickeln. Aber dann? Die Essensauswahl ist etwas lieblos und hat so garnix mit Mittelalter zu tun (Kartoffelsalat, Tomaten-Mozarellabrötchen, panierte Schnitzel...). Da lohnt es sich nicht zeitgemäß das Essen in den eigenen Holzteller füllen zu lassen. Schade.
Und wenn ich schon oben bin, gucke ich mir auch die Stände an. Irritierend ... der Räucherstäbchenstand erinnert mich eher an einen Indienbasar in einer Fußgängerzone ... der Kräuterstand hat die Sachen im Angebot und auch genauso so verpackt, die auch mein Naturkostladen vor Ort hat. Und zudem wird auch Aztekentrank (Schokoladenpulver) verkauft. Ist immer noch nicht bekannt, dass die Zeitgrenze zur Neuzeit die Entdeckung Amerikas war? Ich kam mir arg deplatziert vor. Der Eintritt ist mir dann doch etwas zu hoch, nur um Toilette zu nutzen und etwas in den leeren Magen zu bekommen.
Etwas entschädigt hat dann uns der Aufenthalt auf dem unteren Handwerkermarkt. Klaus, der Schmied, bei dem wir uns einen Dreibein zum Kochen vorgemerkt haben. Lederwaren, die von der Auswahl her bestimmt alle Moderichtungen der 1000 Jahre Mittelalter abdecken. Korbwaren, Stoffe, Gewandungen (naja Prunkgewänder aus Dekostoffen für edle Herrschaften), Schuhe, Messer, Scherenschleifer, Löffelschnitzer, Knopfhersteller....
Jetzt ist unser Hausstand um ein authentisches Koch- und Universalmesser und zwei Holzlöffel erweitert worden. Für das 21. Jahrhundert nahmen wir Eibenholzknöpfe und Rosen- und Himbeerlikör mit (für Erbsenzähler: Brandwein gab es im Mittelalter noch nicht). Ein bisschen wurmt mich, dass ich nicht ein paar Meterchen Wollstoff mitnahm.
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DorosGedankensplitter um 13:00 Uhr in
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Donnerstag, 21. August 2008
... dann braucht der Barde seine Beinlinge.
Zugeschnitten wurde es aus einem quatratischen Stück Wollstoff von ca. 80 cm und es basiert wieder auf einen Artikel aus der Karfunkel von A. Sturm:

Durch diesen schrägen Zuschnitt und der Köperbindung sitzt das am Ende recht gut. Angenestelt wird es jeweils vorne am Bund der Bruche:

So sah nun ein Mann im Hochmittelalter unter seinem Gewand aus:

Nun wird mich jede Leserin verstehen, dass ich mich schleunigst ans Übergewand machen muss 
Mittwoch, 20. August 2008
... und das stundenlange Sitzen auf Baumstämmen oder am Badehaus war erfolgreich. Denn was, außer Nähen oder Spinnen tut frau sonst auf Märkten, wenn sie am Schwätzen ist? Meine Vorüberlegungen kann man hier nachlesen. Und so sieht das bequeme Teil von hinten aus:

Laut Auskunft des Barden trägt sie sich gut. Dem heutigen Schönheitsideal entspricht sie kaum, wurde aber damals quer durch alle Schichten vom Mann getragen.

Später gibt es die dazu gehörenden Beinlinge zu sehen.
Dienstag, 19. August 2008
... bzw. war in der Lehmgrube bevor ich diese philosophischen Gedanken hier rein setzte.

Einen Tag lang arbeiten, Neues lernen und erfahren, ganz ohne Uhr, und danach ein Ergebnis sehen, ist für mich Urlaub vom Alltag.

Um zwei Helfer

und den Bauherren

mit dem Lehm-Stroh-Gemisch zu beschäftigen muss man sich schon ganz schön ran halten. Demnächst werden wir noch mal bei der letzten Schicht außen helfen. Dann dürfen die Hühner dort einziehen.
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DorosGedankensplitter um 10:48 Uhr in
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Montag, 18. August 2008
... Baumarkt oder Wollladen?
Soeben war ich im Baumarkt und ging noch etwas weiter zur Bastelabteilung ... huch!!! ... die Auswahl an schönen Farben bei der Sockenwolle ist größer, als in meinem Wollladen. Wie das jetzt?
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DorosGedankensplitter um 18:34 Uhr in
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Donnerstag, 14. August 2008
... gut dass ich mit so seltsamen Ideen nicht alleine stehe 
Also dann ... nicht denken, nun ist es aber geschafft und sich zurück lehnen. Sonst werde ich noch überrollt. Also hinstellen, mit den Füßen fest am Boden, Hände in die Hüfte gestemmt und den Kopf hoch. Jetzt muss ich nur noch sagen: "Hey, los komm und zeig' dich!!!"

Aber vielleicht wäre es auch einfacher Probleme nicht immer anzunehmen, sondern auch mal zurückzugeben. Ich bin doch nicht für alles zuständig.
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DorosGedankensplitter um 10:27 Uhr in
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Mittwoch, 13. August 2008
... mich gibt es noch.
Immer wenn ich denke, nun ist alles geregelt, kommt eine nächste Anforderung an uns. Und immer muss es etwas sein, das noch unbekannt in der Bewältigung. So scheint das Leben an sich zu sein.
Nur - warum denkt man immer, wenn ich dies oder jenes hinter mir habe, dann ist erst mal gut?
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DorosGedankensplitter um 11:30 Uhr in
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