Montag, 25. August 2008
... abends wird es kalt und im Fundus liegen noch Wollstoffe, die eher ins Frühmittelalter zu Wikinger, Schotten, Kelten und Alamannen passen. Also mal schnell gestern eine Männertunika zugeschnitten und die Nähte mit der Maschine runter genäht. Danach alle Nahtzugaben nach einer Seite umgeklappt und mit mit der Hand mit Überwendlingsstichen versäubert und gleichzeitig in einer Art falschen Kappnaht fixiert. Am Ende den Halsausschnitt nach außen geklappt und eine Brettchenwebborte aufgenäht.

Ich hoffe es passt und gibt warm.
Trotz nasskaltem Wetter waren wir am Samstag auf der Burg. Wir bemühten uns einigermaßen mittelalterlich angezogen zu kommen. Immerhin bleiben mehr Fragen zur Herstellung authentischer Gewänder offen, als dass sie jemand beantworten kann. Dass Touristen in Jeans und Regenjäckchen frieren, da sie die Vorzüge von Wolle nicht kennen, das ist zu erwarten. Letztes Jahr holte man sich schließlich um die gleiche Zeit einen Sonnenbrand. Wer schon einmal dort war, weiß, dass unten der Handwerkermarkt ist und danach, auf halben Weg nach oben, der Wegzoll kassiert wird.
Wer aber denkt, nun würde es so richtig interessant, wird doch etwas enttäuscht. Okay Musik und Gaukler sind oben und auch die Toiletten (etwas arg eng für Leute mit Gewandung). Man findet Leute, die authentisch lagern und auch einen Wikinger mit authentischer Ware u.a. wunderbar pflanzen gefärbten Beinwickeln. Aber dann? Die Essensauswahl ist etwas lieblos und hat so garnix mit Mittelalter zu tun (Kartoffelsalat, Tomaten-Mozarellabrötchen, panierte Schnitzel...). Da lohnt es sich nicht zeitgemäß das Essen in den eigenen Holzteller füllen zu lassen. Schade.
Und wenn ich schon oben bin, gucke ich mir auch die Stände an. Irritierend ... der Räucherstäbchenstand erinnert mich eher an einen Indienbasar in einer Fußgängerzone ... der Kräuterstand hat die Sachen im Angebot und auch genauso so verpackt, die auch mein Naturkostladen vor Ort hat. Und zudem wird auch Aztekentrank (Schokoladenpulver) verkauft. Ist immer noch nicht bekannt, dass die Zeitgrenze zur Neuzeit die Entdeckung Amerikas war? Ich kam mir arg deplatziert vor. Der Eintritt ist mir dann doch etwas zu hoch, nur um Toilette zu nutzen und etwas in den leeren Magen zu bekommen.
Etwas entschädigt hat dann uns der Aufenthalt auf dem unteren Handwerkermarkt. Klaus, der Schmied, bei dem wir uns einen Dreibein zum Kochen vorgemerkt haben. Lederwaren, die von der Auswahl her bestimmt alle Moderichtungen der 1000 Jahre Mittelalter abdecken. Korbwaren, Stoffe, Gewandungen (naja Prunkgewänder aus Dekostoffen für edle Herrschaften), Schuhe, Messer, Scherenschleifer, Löffelschnitzer, Knopfhersteller....
Jetzt ist unser Hausstand um ein authentisches Koch- und Universalmesser und zwei Holzlöffel erweitert worden. Für das 21. Jahrhundert nahmen wir Eibenholzknöpfe und Rosen- und Himbeerlikör mit (für Erbsenzähler: Brandwein gab es im Mittelalter noch nicht). Ein bisschen wurmt mich, dass ich nicht ein paar Meterchen Wollstoff mitnahm.
Geschrieben von
DorosGedankensplitter um 13:00 Uhr in
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