Montag, 11. September 2006
Modeschau im Museum
« Nur schnell mal ins Museum ... | Hauptseite | Pressekritik: burda 10/2006 »Als wir Anfang August in Beilstein auf einem Mittelaltermarkt waren, wies uns die Filzerin Cerid auf die Museumsnacht und das -fest im Alamannenmuseum Ellwangen hin.
Was uns so im Einzelnen dort erwartet wußten wir nicht. Den Hinweis im Internet überflog ich nur und war gespannt auf die teilnehmenden Gruppen. Das Museum ist klein und ich war erstaunt, was es alles zu sehen gab: Zinngießen, Schmieden, Filzen, Brettchenweben, Naalbinding, Schuhherstellung, Sprang, Knochenschnitzen, Garnfärbung, Nähen, Töpfern u.a. Im Moment bin ich noch am Ordnen, was ich alles gesehen, notiert und aufgezeichnet habe. Mitgewirkt hatten Mitglieder der Alamannengruppen Raetovarier, Drachenhort, Dux Huntari und Rhein-Neckar-Alamannen.

Das Beeindruckenste waren die Modenschauen von Rete Amicorum. Das interessanteste Kleidungsstück ist für mich der Klappenrock des Franken. Er hat eine kleidsame Schnittführung. Ich kannte so ein Teil vorher noch nicht und schon garnicht als ein Kleidungsstück für das 5./6.Jahrhundert. Man darf gespannt sein, wenn Andreas Sturm darüber einen Aufsatz schreibt.

Am Samstag lernte man nur die fränkische Mode in einer Ankleideaktion kennen. Von der lockeren Präsentation, dem Gefühl, daß die beiden ihre Recherchen wirklich in der Praxis des authentischen Kleidernähens überprüft hatten und der Bereitschaft die Sachen zu zeigen, war ich so beeindruckt, daß ich wenigstens nachts noch auf die Schnelle auf deren Homepage gehen mußte. Und was stellte sich heraus? Ich guckte mir nur die Zeitschriftenaufsatzliste unter Referenzen an und merkte, daß zumindest die über Unterwäsche und die Trendmode der Staufer auf meiner to-do-Liste liegen. Dies beiden Artikel waren mir beim Erscheinen in sich schlüssig, wenngleich sie mir nicht die Arbeit abnehmen Stoffbahnen am Körper selbst anzupassen. Alles gelesen habe ich jetzt noch nicht, aber für die leidliche A-Diskussion habe ich erst mal Die Zehn Gebote von Rete Amicorum verlinkt. Allerdings weiß ich immer noch nicht, ob ich mal eine ganze Garderobe mit der Hand nähen werde (nur für den Fall, daß mich jetzt jemand festnageln möchte)
Diese Begeisterung war das der zwingende Grund nun nochmal den Weg zum Museum am nächsten Tag zu fahren. Man sah die Mode aus Rom und den Chic nördlich der Alpen im 1.Jhd. nach Christus, gallo-römische Mode des 3.Jahrhunderts und die aktuelle fränkische Mode des 5./6.Jahrhunderts. Die Entwicklung von Rechtecken als Kleidungsstücke bis zum ersten Einsetzen von Geren. Ich wollte mir nur die Modenschau angucken und weitere Notizen machen und bin dann doch am Ende in einem passformunsensiblen Peplos aus Diamantköper als Germanin gesteckt.


