Dienstag, 15. April 2008
La vie en rose
« Ein Geschenk für meinen lieben Papa | Hauptseite | Burda 11/2007 Kleid 112 »Ellen/seelenruhig hat gerufen und wir geben unseren Gedanken freien Lauf.
Als ich ihren Aufruf gelesen habe ist mir sofort ein Gefühl durch und durch gegangen. Das Gefühl welches ich mit Rosen in Verbindung bringe. Immer und egal wo ich bin.
Rosen haben für mich eine besondere Bedeutung. Rosen sind für mich gleich mein Opa den ich immer noch über alles liebe. Leider ist er viel zu früh gestorben. Mein Opa hat die Rosen sehr geliebt und in seinem Garten gab es eine Unmenge davon. Aber am schönsten fand ich immer den Rosenbogen über dem Törchen zum Garten und Kaninchenstall. Er war einfach traumhaft. Meine Mutter hat mir als mein Opa gestorben ist ein Bild, von ihm und mir auf der Bank vor dem Rosenbogen, eingerahmt und als Erinnerung geschenkt. Von da an hat es immer neben meinem Bett gehangen, egal wo ich gelebt habe. Letztes Jahr war ich fast untröstlich, weil mir das Bild runtergefallen ist und der Rahmen dabei kaputt gegangen ist. Seitdem bin ich auf der Suche nach einem neuen Rahmen. Bis jetzt bin ich noch nicht fündig geworden. Mein Schatz hat mir das Bild und die anderen eingescannt damit ich sie euch zeigen kann.

Leider sind die Farben schon sehr verblaßt und das satte Rot der Rosen kommt nicht mehr raus. Meine Erinnerungen sind keineswegs verblaßt, sondern immer noch sehr lebhaft. Ich habe in meiner Kindheit fast jeden Tag mit meinem Opa verbracht. Nach dem Mittagessen bin ich mit meiner Mama immer zu den Großeltern gegangen und wir haben dort den Nachmittag verbracht. Manchmal habe ich mit den Nachbarskindern gespielt, aber sehr oft war ich mit meinem Opa zusammen. Wenn er den Beitrag für die Versichungen, die er nebenbei vertrieb, einkassieren ging war ich immer dabei. Ach, was war das schön. Es waren sehr lange Wege in kleinere Ortschaften außerhalb, aber mein Opa konnte so schöne Geschichten erzählen. Mir war es nie langweilig in seiner Nähe. Ich war aber auch sein Lieblingsenkelchen. Ich hatte mein eigenes Kaninchen von ihm geschenkt bekommen, durfte immer mit die Kaninchen füttern, helfen die Ställe auszumisten und hatte meine Freude an allem was ich mit meinem Opa tun durfte. Ich wußte was Mangold, Lauchzwiebeln und vieles mehr im Garten war. Nur eins mochte mein Opa nicht so gerne, wenn ich im an die schwarzen Brombeeren ging. Davon hatte er nicht soviele und die paar sollten einen köstlichen Saft geben. Ich konnte mich natürlich nie zurückhalten und mopste mir hier und da doch mal eine. Lange konnte mein Opa mir aber nie böse sein. Ich war halt sein Liebling. Am Ende eines Tages gab es immer das gleiche Ritual. Er schenkte sich seinen Wein in einen hübschen Römer und ich nahm Platz auf seinem Fußbänkchen. Dann durfte ich vom Wein nippen, wohl gesagt nippen. Damals kam zu dieser Zeit die Sendung "Hier und Heute". Keine Sendung unbedingt für Kinder, gerade deshalb war es für mich so besonders. Den Anfang durfte ich noch gucken und dann mußte ich mit Mama nach Hause. "Gute Nacht Opa, bis morgen". Bussi und Tschüß....

Mein Opa íst gestorben, da war ich gerade 11 Jahre alt. An diesem Tag war ich in den Ferien über Nacht da gewesen. Er hat mit mir gefrühstückt, sein Brötchen mit mir geteilt, mir noch ein Buch geschenkt und mich dann zum Zeitung holen an den Briefkasten geschickt. Als ich wieder in die Küche kam war mein Opa tot. Er hatte mich extra weggeschickt, so ist bis heute mein Gedanke. Für mich war es bis jetzt das schmerzlichste was mir je passiert ist. Aber ich weiß, mein Opa wartet im Himmel auf mich und der Platz auf der Fußbank ist frei für mich. So hat er es mir immer versprochen. Und ich weiß, er paßt mein ganzen Leben von oben herab auf mich auf. Dieses Gefühl hat mir schon soviel Kraft und Energie in schlechten Zeiten gegeben. Ich fühle mich nie allein...
Als Andenken hatte er mir damals seinen Spazierstock versprochen, doch als Oma ihn mir geben wollte konnte ich ihn nicht annehmen. Es tat zu weh. Später als Oma dann die Sachen von Opa aussortierte habe ich mir aus den weggeworfenen Sachen eine Gibsfigur von einer Negerin rausgesucht, der Kopf war schon ab. Ich habe ihn wieder angeklebt und bis vor einiger Zeit in Ehren gehalten. Sie ließ sich einfach nicht mehr retten.

Bei meiner Taufe war ich Opas ganzer Stolz
Die Rosen sollten auch nach 34 Jahren noch mein Schicksal bestimmen. Zu dieser Zeit haben wir uns eine Eigentumswohnung gesucht. Als wir eine gefunden haben die uns gefiel, waren wir uns nicht ganz sicher ob wir es auch richtig machten. So eine Entscheidung ist ja auch nicht ganz einfach. Als wir so um das Objekt der Begierde herum schlichen gab es dort nichts Blühendes, bis auf einen Rosenstrauch neben unserem zukünftigen Balkon.
Es waren genau die Rosen, wie von Opas Rosenbogen. Da wußte ich diese Wohnung hat mein Opa für mich ausgesucht, damit ich hier glücklich werde. Manch einer mag anders denken, für mich ist es so.
Und darum ist für mich das Gefühl der Rosen eine Herzenssache und wird es auch ewig bleiben, bis ich irgendwann auf der Fußbank sitze und ein volles Glas Wein mit meinem Opa trinke.
So sehe ich das Leben von meiner schönsten Seite. "La vie en rose"

